Zum Sonntag
19.03.2026 RegionEine Bank zum Ausruhen
Die Sonne und das warme Wetter lockten mich, meine erste längere Velotour in diesem Jahr zu unternehmen. Ich habe mir überlegt, in welche Richtung ich fahren könnte, habe aber keine Karte mitgenommen. Es war wunderschön, ...
Eine Bank zum Ausruhen
Die Sonne und das warme Wetter lockten mich, meine erste längere Velotour in diesem Jahr zu unternehmen. Ich habe mir überlegt, in welche Richtung ich fahren könnte, habe aber keine Karte mitgenommen. Es war wunderschön, an diesem Frühlingstag über Land zu radeln; Vögel zwitscherten, Bäche plätscherten und auch vereinzelte Bienen summten schon. Im Wald kam ich dann an eine Verzweigung, ich habe einen Moment überlegt, welchen Weg ich einschlagen soll?
Es ist nicht nur mit dem Fahrrad so, auch im Leben muss ich mich immer wieder entscheiden, welchen Weg ich gehen soll? Wohin bin ich unterwegs? Habe ich ein Ziel? Woran orientiere ich mich, um dieses Ziel zu erreichen? Manchmal ist es im Leben auch so, dass man sich wie auf einer unübersichtlichen Strasse fühlt, mit vielen verschiedenen Wegen und Abzweigungen, Kreuzungen und Schildern. Welches ist der richtige Weg? Wie wäre es gewesen, wenn ich den anderen Weg eingeschlagen hätte … es gibt aber keine Retourtaste im Leben. Jeder entscheidet sich selbst, manchmal auch gezwungenermassen, für seinen Lebensweg. Egal, wie der Weg auch ist, es gibt immer wieder Blumen am Wegrand. Es braucht viel Gottvertrauen zu glauben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ebenso hilft mir die Lebensfreude, auf dem Weg auch die schönen und kleinen Momente zu geniessen. Die Sehnsucht erinnert mich daran, dass mein Herz nach mehr sucht – nach Liebe und Sinn. Die Zeit ermahnt mich, nicht zu rennen, sondern auch anzuhalten, innezuhalten und zu lauschen.
Auf einer Bank mit prächtiger Aussicht habe ich mich ein wenig niedergelassen. Da hat sich eine Spaziergängerin, sie hatte den Arm in einer Schlinge, zu mir gesetzt und erzählte mir, dass sie sich den Arm gebrochen hat. Sie meinte, sie sei für einige Zeit ausgebremst. Sie könne nicht mehr alles tun, was sie gerne möchte. Es ist nicht schlimm, sagte sie, aber sie sei gewohnt, immer anzupacken und nun müsse sie sich helfen lassen.
Uns geht es manchmal auch so, mitten im Alltag, ausgebremst, wie im Strassenverkehr voll auf die Bremse und dann erst einmal schauen und langsam weiter. Die Bank, auf der ich sass, ein Ort, wo viele bremsen, gerade Radfahrer und sich gerne ein wenig Zeit nehmen, um zu schauen und zu ruhen, sich gerne ausbremsen lassen.
Eine Bank am Strassenrand, die eine freiwillige Pause ermöglicht und uns die Möglichkeit gibt, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu richten. Ich hoffe, dass alle immer wieder eine Bank finden, wo man sich ausbremsen lassen kann, zur Ruhe kommt, bevor man den Weg weiter geht.
Carla Bättig
