Zitronenfalter – einer der 1. im Frühling
19.03.2026 RegionZitronenfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge oder Admiral: Wer ist der Erste Im Frühling? Welch zarte Schönheit erfreut uns, sobald es sonnig und über 10 °C warm geworden ist. Meist sehen wir zuerst einen Zitronenfalter. Da reicht ein föhniger Tag Ende Februar. In der ...
Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge oder Admiral: Wer ist der Erste Im Frühling? Welch zarte Schönheit erfreut uns, sobald es sonnig und über 10 °C warm geworden ist. Meist sehen wir zuerst einen Zitronenfalter. Da reicht ein föhniger Tag Ende Februar. In der Regel ist es ein Männchen. Sie sind intensiv zitronengelb im Unterschied zu den Weibchen, die blass grün-weiss gefärbte Flügel haben. Es hängt von der Witterung ab, welchen Schmetterling wir zuerst sehen. Es ist die Wärme, die sie aus der Kältestarre erweckt. Die Zitronenfalter überwintern irgendwo im Gebüsch. Im Herbst schwitzen Zitronenfalter einen Teil ihrer Körperflüssigkeit bis auf ein Minimum aus. Den Rest reichern sie mit Glycerin an. Dank dieses Frostschutzmittels gefriert das «Blut» in ihren feinen Adern erst, wenn die Temperatur unter -20 °C sinkt. Für Tagpfauenauge, Kleine Füchse oder Admiral wäre dies tödlich. Sie müssen geschützte Schlupfwinkel suchen.
Doch warum fliegen die Zitronenfalter so früh, wenn es doch auch zur günstigeren Zeit im Mai ginge? Die frühen Zitronenfalter haben den Vorteil, dass die allermeisten von Insekten lebenden Singvögel erst Mitte März bis Anfang Mai aus den Winterquartieren zurückkehren. Die Menge an Insekten am Tag wären für die Singvögel zu unergiebig, um ihre Jungen zu ernähren. Somit profitiert der Zitronenfalter trotz seiner Auffälligkeit vom Konkurrenz- und Feinddruck. Zudem beträgt die Lebensdauer der Zitronenfalter bis 12 Monate und ist somit die höchste aller mitteleuropäischen Schmetterlinge.
Die zitronengelben Männchen fliegen entlang festgelegter Strecken hin und zurück. Sie kontrollieren auf diese Weise ein Revier, das sie verteidigen. Gelegentlich kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Männchen, wobei sie einander umfliegen bis einer wegfliegt. Es lohnt sich, da die Weibchen erst zwei bis drei Wochen später über eine grössere Zeitspanne verteilt auftreten. Die weiblichen Zitronenfalter brauchen zuerst die Frühlingssonne nach dem «Erwachen», weil ihre Geschlechtsdrüsen für die Paarung noch heranreifen müssen.
Die Zitronenfalter ähneln den Kohlweisslingen und gehören auch zur Familie der Weisslinge. Es gibt verschiedene «Kohlweisslinge», wobei der Kleine Kohlweissling, auch Rapsweissling genannt, bei uns am häufigsten ist. Kohlgewächse, wie zum Beispiel Weiss-, Rot-, Blumenkohl, Senf und Raps sind Futterpflanzen für die Raupen sowie weitere Verwandte in der Familie der Kreuzblütler, wie Wiesenschaumkraut und Hirtentäschel. Die Kohlgewächse enthalten Senföle, die einen scharfen, bitteren Geschmack abgeben. Diese Stoffe gelangen via Raupenstadium über die Puppe in den Falter (Metamorphose), so dass diese weitestgehend von den Vögeln gemieden werden.
Im Unterschied zu den Vögeln schätzen wir Menschen die Kohlgewächse gerade wegen ihrer Senföle. Diese reinigen unser Innenleben im Darm von unerwünschten Bakterien und gelten daher als entzündungshemmend, fördern die Verdauung und sind gesund.
Die Zitronenfalter verdanken ihre Unbekümmertheit und Auffälligkeit der Nachahmung der ungeniessbaren Kohlweisslinge. Die grünweisslichen weiblichen Zitronenfalter sind den Kohlweisslingen täuschend ähnlich und profitieren von dieser Anpassung (Mimikry), was für sie und ihren Nachwuchs nützlich ist. Diese Anpassung dient ihnen zur Täuschung vor Fressfeinden (Schutz). Sie sind durch die unbekömmlichen Senföle nicht geschützt, da sie ihren Nachwuchs nicht auf Kohlarten absetzen, sondern ihre Eier einzeln auf den Blättern des Faulbaumes oder Kreuzdornes deponieren. Die Täuschung gilt auch für die Raupen, die das Grün des Laubblattes imitieren.
Ernst Hofmann,
Unterkulm

