Was ist eigentlich eine Banderole?
05.03.2026 Seetal, MeisterschwandenDen Zettel für den Wochenendeinkauf in der Hand stehe ich im Laden. Allerdings wird mein Blick heute eher von Verpackungen als von Inhalten angezogen. Papiertüte, Plastikschale, vakuumierte Würstchen, Tortelloni Beutel – zwei Stück, zwei Franken günstiger ...
Den Zettel für den Wochenendeinkauf in der Hand stehe ich im Laden. Allerdings wird mein Blick heute eher von Verpackungen als von Inhalten angezogen. Papiertüte, Plastikschale, vakuumierte Würstchen, Tortelloni Beutel – zwei Stück, zwei Franken günstiger – von einem Band zusammengehalten. Manchmal nervt mich das, weil ich zur Trennung eine Schere brauche. Welche Kriterien spielen beim Gestalten einer Verpackung überhaupt eine Rolle? Diese Frage nehme ich mit nach Meisterschwanden.
Am Eingang zum Solution Center, empfängt mich Cornelia Sibold, Digital Marketing Manager. Während des Gesprächs auf dem Weg zum Maschinenbau wird mir klar, dass Verpackung meist nicht nur eine Hülle betrifft. Werden Kartons auf einer Palette geschichtet, muss das ganze Gebilde für den Transport gesichert werden. Die Folie für diese Aufgabe wird per Stretchmaschine angebracht. Kartons wollen zugeklebt sein. Boxen können durch eine Umreifung vor dem Aufgehen geschützt werden. Das Vakuumieren von Produkten übernimmt die Schrumpfmaschine. Und bei einer Banderole ist die Liste der positiven Eigenschaften noch länger, was erklärt, warum sich die Tanner & Co. AG auf dieses Produkt spezialisiert hat.
Fragt man das Internet nach der Definition des Begriffs, steht da: «Ein bedrucktes Papier- oder Folienband, das um Produkte, Verpackungen oder Warenstapel gewickelt wird.» «Das ist korrekt. Aber im Gespräch mit einem möglichen Kunden fangen unsere Fragen zum Bau einer Maschine dann erst richtig an», sagt Michael Schwegler, der zur Zeit meines Besuchs Leiter BFT-Produktion war. «Was genau soll banderoliert werden? Handelt es sich immer um dasselbe Objekt? Grösse, Gewicht, Form? Wo soll die allfällige Maschine stehen? Ist sie in einem Produktionsprozess eingebunden?» Dies sind längst nicht alle Fragen, aber in meinem Kopf surrt es.
Auch an das Material des Bandes, welches per Ultraschall oder Hitze verschweisst wird, würden unterschiedlichste Anforderungen gestellt: Gesetzliche, konzernspezifische, wasserabweisend, hitzebeständig und und und. «Sie können bedruckt werden, bieten Platz für Produktinformationen, Ablaufdatum, Strichcodes und Signete.» Cornelia Sibold fügt hinzu: «Das alles fördert auch den Wiedererkennungswert.» Aber was für mich nach all den Informationen am meisten für diese Verpackung spricht ist ihre Umweltfreundlichkeit. Man spart Material, man braucht keine zusätzlichen Etiketten und darum keinen Klebstoff und das Band ist recyclebar.
So verschieden wie ihre Aufgaben
Mittlerweile stehen wir in einem Maschinenraum. Ich bin beeindruckt von den unterschiedlich grossen Exemplaren und deren digitaler Bedienungsportale. «All die Faktoren, von denen wir vorher gesprochen haben, bestimmen die Programmierung», erklärt Michael Schwegler. Mit dem Finden der richtigen Maschine für die Bedürfnisse eines Kunden und deren Lieferung ist aber die Arbeit nicht getan. «Wir bieten auch das entsprechende Verpackungsmaterial, Wartung der Geräte und selbstverständlich Service, wenn mal was kaputt geht.»
Nach einem faszinierenden Rundgang (in meiner Fantasie würde ich nur allzu gerne am Bau solcher Maschinen mitwirken), nimmt sich Serge Tanner, Inhaber und Geschäftsführer, noch Zeit meine Fragen zu beantworten. Als erstes lasse ich mir das Zusammenspiel der einzelnen Zweige erklären: «ATS-Tanner Banding Systems AG, Tanner & Co. AG Verpackungstechnik und BFT Produktions AG sind Teil der ATS-Tanner Group und arbeiten eng zusammen.» Die ATS-Tanner Banding Systems AG sei international tätig und verantworte den weltweiten Vertrieb von Banderolierlösungen. «Die Tanner & Co. AG ist mit einem grösseren Portfolio in der Schweiz tätig. Und die BFT Produktions AG entwickelt und produziert in Meisterschwanden die Banderoliermaschinen und -anlagen der ganzen Gruppe.»
Eine Banderole ist eine umweltfreundliche Verpackung. Was unternimmt das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit? «Zum einen produzieren wir in der Region, schaffen also aktuell 110 Arbeitsplätze. Zum anderen stammen fast fünfzig Prozent der Bauteile für die Maschinen von Zulieferern, die weniger als zehn Kilometer vom Produktionsstandort entfernt sind. Die kurzen Transportwege reduzieren den CO2-Ausstoss.»
In Bewegung bleiben
Ich überlege mir, dass es auch für Zuverlässigkeit sorgen wird. Keine Landesgrenzen, keine Zollvorschriften, die sich schnell ändern können. Serge Tanner nickt und ergänzt: «Das heisst, wir können noch andere Schwerpunkte legen, auf Bildung von Mitarbeitenden und Lernenden oder Materialforschung.» Doch die Verpackungsindustrie habe auch mit Herausforderungen zu kämpfen. «Die Menge an nachhaltigen Materialien ist nicht so gross, wie man es sich wünschen könnte. Die Ansprüche der Menschen verändern sich schneller, als man sie umsetzen kann. Man darf, sollte sich niemals auf seinen Erfolgen ausruhen. Es gilt in Bewegung zu bleiben.»
Als ich mich auf den Heimweg mache, nehme ich zwei Dinge mit: Verpackung ist kein Thema, das man einfach abschliessen kann. Aber in diesem Unternehmen versucht das auch keiner, stattdessen arbeiten die Menschen an stetiger Entwicklung. Und ich habe grosse Lust, mich künftig immer wieder über neue Maschinen und Materialien zu informieren.
Graziella Jämsä
Einblick
Im frühen 18. Jahrhundert etablierte sich die Baumwollindustrie in der Region. Um 1850 wurde sie von der Tabakindustrie verdrängt. Diese erlebte ihre Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg, brachte Arbeitsplätze und einigen Wohlstand ins und übers Wynental hinaus. Der Begriff «Stumpenland» kommt schliesslich nicht von ungefähr. Doch die Konkurrenz aus dem Ausland schlief nicht. Und wieder änderte sich die Ausrichtung der produzierenden Unternehmen. Heute kann ich mir unter vielen Begriffen, die sich auf Websiten der Metallindustrie, Haustechnik oder Holzbau finden, kaum etwas Genaues vorstellen. Aber ich bin ja nicht einfach so zur Zeitung gegangen, sondern aus Neugier. Und so nutze ich die Chance, immer mal wieder Unternehmen zu besuchen und etwas über ihre Arbeit zu erfahren.



