Mit der Klimabrille nach Lösungen suchen
19.03.2026 Suhren-/Rueder-/Uerkental, StaffelbachIn der engagierten Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wissenschaft und Landwirtschaft wurden Ursachen und Lösungen für den Klimawandel erörtert.
Gegenseitiges Verständnis prägte die Diskussion, der Klimawandel war allen Teilnehmern bewusst. ...
In der engagierten Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wissenschaft und Landwirtschaft wurden Ursachen und Lösungen für den Klimawandel erörtert.
Gegenseitiges Verständnis prägte die Diskussion, der Klimawandel war allen Teilnehmern bewusst. «An zurückgehenden Gletschern wird er sichtbar», so Ernst Wandfluh, SVP-Nationalrat und oberster Älpler aus Kandergrund. «Hagelschäden werden immer extremer» merkte Georg Klingler, Landwirt, Umweltwissenschaftler und Greenpeace-Klimaexperte dazu an. Die beiden Staffelbacher Landwirte Max Hauri und Ruedi Müller setzen auf Qualität mit biologischem Ackerbau und Tierhaltung. Qualität hat aber seinen Preis, den sich nicht jeder leisten kann oder will. Als Landwirt und Nationalrat vertritt Ernst Wandfluh Schweizer Interessen auf politischer Ebene: «Schweizer Fleisch ist nachhaltig.» Gleichzeitig prangert er den Einkaufstourismus an, doch das letzte Wort habe der Konsument. «Hochwertiges Fleisch hat seinen Preis», merkte eine Stimme aus den Stuhlreihen dazu an. Repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung dürfte der Zuhörerkreis in der Staffelbacher Mehrzweckhalle allerdings nicht gewesen sein.
Nichtalltäglicher Anlass
Der von der lokalen SVP organisierte Anlass unter dem Motto «Macht die Kuh das Klima zur Sau?» lockte nicht nur rund 250 Besucher in die Mehrzweckhalle, auch zahlreiche Medienvertreter interessierten sich für den nichtalltäglichen Anlass zwischen Wissenschaft, Ackerbau und Viehzucht. Die Grüne Altregierungsrätin und Stiftungsratspräsidentin von Greenpeace Schweiz, Susanne Hochuli, meisterte trotz aller Gegensätze ihre Moderationsaufgabe meisterlich. «Ausgewogene Ernährung ist wichtig, die Menge dabei sei ausschlaggebend», beschwichtigte Daniel Bretscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Agroscope und Mitglied der Forschungsgruppe Klima und Landwirtschaft hochkommende Emotionen. Ihm war es überlassen, mit dem Referat «Treibhausgasemissionen aus der Schweizer Land- und Ernährungswissenschaft» in das Thema einzuführen.
Wissenschaftlicher und gewissenhafter Vortrag
«Rund 14 Prozent der Schweizer Treibhausgase sind der Landwirtschaft zuzuordnen, der Fleischkonsum ist dreimal höher als notwendig und die Wiederkäuer als Klimakiller hinzustellen, ist nicht angebracht», führte Daniel Bretscher aus. Dreiviertel der Schweizer Fläche ist Grasland, Gras kann aber nur von Nutztieren gefressen werden. Als Denkanstoss schlägt er vor, nach Möglichkeiten zu suchen, die Ausgestaltung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen nachhaltiger zu gestalten. Belastungsgrenzen für das Ökosystem sind nicht verhandelbar, eine nachhaltige Produktion in der Landwirtschaft ist gefragt. «Veränderungen als Chance erkennen und den Wandel positiv mitgestalten sowie globale Zusammenhänge beachten» empfiehlt Daniel Bretscher zum Erreichen der Klimaziele.
Der Blick durch die «Klimabrille» ist hilfreich: Basis sei eine Umweltund ressourcenschonende Ernährung, mit welcher ein Selbstversorgungsgrad von bis zu 80 Prozent erreicht werden kann. Dementsprechend können Nahrungs- und Futtermittelimporte beschränkt werden. Hinzu kommt die Reduzierung von «Food Waste». Ein Drittel der auf dem Feld angebauten Nahrungsmittel in der Schweiz wird nicht gegessen – eine Grösse, die nachdenklich stimmt. Demonstrativ bricht der Referent ein Stück einer Baguette-Stange ab und warf es auf die Bühne. Am Ende seines Vortrags verschwanden die Brotstücke wieder im Rucksack. Der Umgang mit Nahrungsmitteln muss vorgelebt werden.
Alfred Weigel


