Ein lebhaftes Team aus jungen Talenten und alten Hasen beantwortet unter der Regie von Ursula Gloor eine komplexe Frage: Wie empfängt man Besuch in einer Irrenanstalt, ohne dass der Besuch merkt, dass man sich in einer solchen befindet?
Sonntagmorgen kurz vor 10 Uhr, ...
Ein lebhaftes Team aus jungen Talenten und alten Hasen beantwortet unter der Regie von Ursula Gloor eine komplexe Frage: Wie empfängt man Besuch in einer Irrenanstalt, ohne dass der Besuch merkt, dass man sich in einer solchen befindet?
Sonntagmorgen kurz vor 10 Uhr, auf der Bühne der Mehrzweckhalle brennt nicht nur Licht, Neugierige erblicken ein ganzes Wohnzimmer. Links werden Accessoires zu den Kostümen besprochen, in der Mitte Requisiten bereitgelegt, rechts üben zwei Darsteller einen Dialog. «So meine Lieben, macht euch bereit, wir fangen an.» Ursula Gloor klatscht in die Hände. «Und bitte leise hinter den Kulissen.» Max sucht sich einen Stuhl, setzt sich und schaut aufmerksam Richtung Bühne. Als Sohn einer Darstellerin will er alles ganz genau wissen.
Was bei diesem Stück gar nicht so einfach ist. Agnes Adlon, Tochter einer reichen Hoteldynastie, ist wegen ihrer übergrossen Vorliebe fürs körperliche Miteinander in Behandlung. Ihre Mutter weiss davon nichts. Als sie spontan ihren Besuch ankündigt, versucht Agnes die Mitbewohner ihrer Psychiatrie-Wohngruppe in passende Rollen zu stecken. Der zwangsneurotische Hans wird zum Lebenspartner, Marianne zur Haushälterin – nicht zu vergessen Hausmeister und befreundete Künstlerin. Dieses Szenario hat seine Tücken. Als die Mutter selbst in Gewahrsam genommen und in die Zwangsjacke gesteckt wird, läuft das Verwechslungsspiel Richtung Höhepunkt. «Am Anfang geht es darum, das Publikum zu faszinieren», erklärt Ursula Gloor. Der Drei-Akter von Winnie Abel in der Dialektfassung von Etienne Meuwly biete gerade für die jungen weiblichen Darstellerinnen viele schöne Momente. Das habe bei der Auswahl durchaus eine Rolle gespielt. «Fürs Theater begeistert man sich, indem man spielt – also braucht es Charaktere, die etwas zum Geschehen beitragen.» Schliesslich wolle man den Traditionsanlass in die Zukunft tragen.
Wie geht die Geschichte aus?
Kombiniere man die temperamentvollen Jungen mit dem Spielfeuer der alten Hasen, ergebe das die perfekte Energie. «Man muss das Publikum schliesslich bei der Stange halten. Sie sollen sich immer wieder fragen: Wie sieht ein Happy-End in der Irrenanstalt aus?» Auch wenn man darüber selbstverständlich nichts schreiben darf. Max hat alles schon gesehen und verspricht: «Es gibt viel zu lachen.» Wenn das keine Einladung ist?
Die Premiere «Nid ganz 100» wird am Sonntag, 22. März in der Mehrzweckhalle Birrwil mit einem vorangehenden Brunch gefeiert. Die Theaterleute werden die Besucher vorab kulinarisch verwöhnen, bevor es dann um 13 Uhr auf der Bühne weitergeht. Voranmeldungen für den Brunch werden am Freitag, 13. März von 17 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 062 557 36 27 gerne entgegengenommen. Für die beiden Abendvorstellungen vom Freitag und Samstag, 27./28. März mit Beginn um 20 Uhr sind keine Reservationen möglich.
Graziella Jämsä