Fernen Fakten ein Gesicht verleihen
12.03.2026 RegionZum Weltgebetstag vergangenen Freitag konnten die Besucher, mehrheitlich waren es Frauen, in der reformierten Kirche Menziken eine etwas andere Gottesdienstfeier miterleben. Der internationale Gottesdienst wurde vom Weltgebetstags-Komitee Nigeria vorbereitet und hier, wie auch in vielen ...
Zum Weltgebetstag vergangenen Freitag konnten die Besucher, mehrheitlich waren es Frauen, in der reformierten Kirche Menziken eine etwas andere Gottesdienstfeier miterleben. Der internationale Gottesdienst wurde vom Weltgebetstags-Komitee Nigeria vorbereitet und hier, wie auch in vielen weiteren Ländern, von vielen engagierten Helfern durchgeführt.
«Mein Bild zeigt die tägliche Realität nigerianischer Frauen vom Land, deren Leben von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang von endloser Arbeit geprägt ist. Diese Frauen überqueren gefährliche Pfade zu ihren Farmen, wobei sie oft nicht nur ihre Ernte, sondern auch ihre Kinder tragen müssen …» Dies war nur eine der Geschichten, von denen die Besucher am Liturgie Abend in der reformierten Kirche Menziken erfahren haben. Der Geschichte gab an diesem Abend einer der zahlreichen Mitgestaltenden die Stimme. Die Geschichte und das Bild stammte von der nigerianischen Künstlerin Gift Amarachi Ottah. Sie hat die herausfordernden Situationen der Frauen ihres Heimatlandes in einem überraschend farbigen Werk festgehalten.
Auf der Leinwand konnte das Bild zur Geschichte betrachtet werden, die Besucher lauschten aufmerksam. Darauf waren Frauen in traditioneller Kleidung verschiedener Kulturen Nigerias abgebildet. Es macht deutlich, dass unabhängig von ethnischer Herkunft oder Konfession viele Frauen und Mädchen gleiche physische, psychische und spirituelle Lasten zu tragen haben.
Nigeria ist ein Land der Vielfalt. Über 250 verschiedene ethnische Gruppen, reich an natürlichen Ressourcen wie Erdöl, Erdgas und mineralischen Stoffen. Dennoch ist die Kluft zwischen Arm und Reich enorm gross und die Mehrheit lebt in Armut. Lediglich 10 Prozent verfügen über fliessendes Wasser.
Mut und Kraft
Zwar hat sich das Land entwickelt, dennoch erfahren nigerianische Frauen noch keine Gleichberechtigung.
Nach einem gemeinsamen Lied und den ersten Gebeten erfuhren die Besucher mehr über die Geschichte der zweiten Protagonistin, Beatrice. Sie ist mit 28 Jahren bereits verwitwet. Ohne Ehemann verlor sie ihren Platz in der Gesellschaft. Sie hatte Mühe, als alleinerziehende Mutter Arbeit zu finden und erfuhr von ihren Schwiegereltern Misstrauen, als sie Unterstützung erhoffte. Auch Jato, eine christliche Mutter einer 14-jährigen Tocher, berichtet von ihren Sorgen. Im muslimischen Norden lebt sie mit der täglichen Angst, ihre Tochter könnte aufgrund religiöser Verfolgung entführt werden. So, wie es bereits einigen anderen Mädchen widerfahren ist.
All diese Frauen tragen schwere Lasten mit sich. Doch schöpfen sie alle in ihrem Glauben zu Gott Mut und Kraft. Der Weltgebetstags-Gottesdienst ist ein Projekt, welches überkonfessionell und international gemeinsam durchgeführt wird, um auf Schicksale wie die von Beatrice, Jato und all den anderen unterdrückten Frauen aufmerksam zu machen. Wie es ein nigerianisches Sprichwort gut auf den Punkt bringt: «Der Schmerz einzelner ist der Schmerz aller.»
Im Zeichen der Solidarität
«Dieser Gottesdienst bringt mich zum Nachdenken», sagte eine Besucherin. «Es gibt noch so viele Frauen auf der ganzen Welt, die noch immer Unterdrückung erleben. Oft auch innerhalb der Familien», ergänzt sie. Ihr Blick ist mit Mitgefühl erfüllt. Und eben deshalb sind solche Anlässe auch heute nach wie vor wichtig, um Betroffenen eine Stimme zu geben, um Solidarität und Mut zu schenken.
Das ökumenische Weltgebetstags-Team bestand aus Pfarrerin Maja Petrus, Liselotte Bieri, Relly Reutimann, Peter Chiozza, Margrit Schalch, Carla Bättig, Anelis Fauck, Sonja Baldinger, Amena Dutoit, Petra Malatinsky, Sylvia Furrer und Sigrist Hanspeter Schüpfer. Zur Vorbereitung haben sie mehrere Seminare besucht, um in das Land und in die Geschichten der Frauen einzutauchen. So wurden die Besucher nicht nur zu Suppe und Kuchen eingeladen, sondern Nigeria war auch hier das Thema. Köstlichkeiten wie eine Kürbissuppe, Bananen-Karottenkuchen oder auch ein Kokoskuchen bildeten einen gelungenen Abschluss des Abends. Doch die Zeichen der Solidarität und Unterstützung werden die Menschen noch lange begleiten.
Janine Flückiger


