Winnie Abel hat mit «Nid ganz 100» keine typische Komödie geschaffen. Da ist keine tragende Liebesgeschichte und die Verwechslungen sind einiges vielschichtiger als üblich. Dafür hat jeder Charakter seine eigenen Höhepunkte.
Agnes (Isabell Hunziker) ...
Winnie Abel hat mit «Nid ganz 100» keine typische Komödie geschaffen. Da ist keine tragende Liebesgeschichte und die Verwechslungen sind einiges vielschichtiger als üblich. Dafür hat jeder Charakter seine eigenen Höhepunkte.
Agnes (Isabell Hunziker) räkelte sich in sexy Nachtwäsche genüsslich auf dem Sofa, während der zwangsneurotische Hans (Bruno Weber) sich über die vorauseilende Pünktlichkeit der Post sowie das Nichteinhalten von Hausregeln aufregte. Und die «Zweisamkeits-Avancen» seiner Mitbewohnerin halfen ihm da nicht weiter. Seine Antwort «Du machsch mini ganze Bügelfalte kaputt», ging im Lachen des Publikums beinahe unter.
Zuschauerinnen und Zuschauer blieben lebhaft. Sei es während des klangvollen Auftritts von Volksmusik-Fan Marianne (Karin Haller), dem resoluten Intermezzo von Dr. Dr. Elsa Schanz (Monika Hermann) oder der hätschelnd vorgetragenen Bastelaufforderung von Beschäftigungstherapeut Rolf (Hansruedi Härri). Nachdem man sich an das Miteinander in der offenen Wohngruppe der Psychiatrie gewöhnt hatte, erhielt Agnes einen Anruf von ihrer Mutter Cécile Adlon (Eveline Lüscher). Die Mitinhaberin der berühmten Hotelkette hatte keine Ahnung, wo ihre Tochter aktuell logiert und Agnes hatte auch nicht vor, sie zu informieren.
Also wurden Willi (Alessio Meneghin), Desirée (Bea Steiner), Marianne und Hans zu Angestellten oder Bekannten. Aber da gab es noch eine Tupperware-Verkäuferin (Yvonne Meyer), einen Blick-Reporter (Alexander Gloor) und einen etwas aus der Zeit gefallenen Volksmusikstar (Pius Gut). Diese Begegnungen waren nicht planbar – das Chaos als solches war vorprogrammiert. Aber über den Inhalt wird an dieser Stelle nicht mehr verraten.
Regisseurin Ursula Gloor hatte nicht zu viel versprochen: «Kombiniert man die temperamentvollen Jungen mit dem Spielfeuer der alten Hasen ergibt das die perfekte Energie.» Darstellerinnen und Darsteller liessen die Höhepunkte ihrer Charaktere glänzen. Und das Publikum würdigte dieses Engagement nicht nur mit viel Gelächter, sondern auch mit grossem Applaus.
Nun haben alle Theaterfans und solche, die es werden wollen, am Freitag, 27. März beziehungsweise am Samstag, 28. März jeweils die Chance, sich «Nid ganz 100» in der Mehrzweckhalle Birrwil anzuschauen. Hungrige können ab 18.30 Uhr ein Nachtessen geniessen. Der Vorhang öffnet sich um 20 Uhr.
Graziella Jämsä