«Uf u dervo» in neuer Halle
05.02.2026 Michelsamt, RickenbachNach vielen Jahren in der Gunzwiler Lindenhalle machte sich der Männerchor Gunzwil «Uf u dervo» und führte seine zwei Jahreskonzerte neu im reich dekorierten Kubus Rickenbach durch. Und das Publikum kam mit.
600 Sitzplätze standen im grossen Saal des Kubus bereit, ...
Nach vielen Jahren in der Gunzwiler Lindenhalle machte sich der Männerchor Gunzwil «Uf u dervo» und führte seine zwei Jahreskonzerte neu im reich dekorierten Kubus Rickenbach durch. Und das Publikum kam mit.
600 Sitzplätze standen im grossen Saal des Kubus bereit, und schon rund eine halbe Stunde vor Konzertbeginn waren diese mit wenigen Ausnahmen besetzt. Es war klar, dass der Umzug in die grössere Lokalität ein weiser Entscheid war. Präsident Toni Dörig dankte dem Publikum, dass es mitgekommen ist. Danach übergab er das Mikrofon an seine Schwägerin Judith Dörig-Greber, die für den Rest des Abends sympathisch und charmant durch das Programm führte. Welchen Stellenwert das Jahreskonzert des Männerchors geniesst, zeigte sich allein schon an den geschätzt zwei Dutzend Delegationen, welche die Moderatorin namentlich begrüssen konnte.
Fern- und Heimweh
Mit dem harmonischen «Nun leb wohl du kleine Gasse», einem klassischen Männerchor-Lied, stiegen die rund 35 Sänger ins Programm ein. Dass der Chor – seit Sommer 2025 unter der versierten Leitung von Stefan Haselhoff – auch modernere Stücke beherrscht, bewies er gleich danach mit dem kräftig-dynamischen «Santiano», zu dem das «Schifferklavier», das von Martin Flury gespielte Akkordeon, hervorragend passte. An dieser Stelle ein Kompliment an die Instrumentalisten, allen voran Silvia Estermann am Keyboard, die dafür sorgten, dass der Männerchor bei Bedarf von einem beeindruckenden Orchester begleitet wurde. Und nicht selten steuerte Dirigent Stefan Haselhoff auf seinem kleinen Keyboard noch kurze Improvisationen bei.
«Bella Ciao», die im 2. Weltkrieg als Hymne des Widerstands bekannt gewordene Melodie sowie Udo Jürgens «Ich war noch niemals in New York» passten wunderbar ins Programm «Uf u dervo». Erst recht gilt das natürlich für Göläs gleichnamigen Song, vorgetragen von Solist und Gitarrist Dave Meyer. Das Publikum entliess den Männerchor und seinen Solisten erst in die Pause, nachdem der Titelsong des Programms wiederholt worden war.
Zwei neue Ehrenmitglieder
Mit dem Hit «Seemann», mit dem Lolita im Jahr 1960 ihren grössten Erfolg feierte, startete der Männerchor Gunzwil in den zweiten Teil des Programms. Die Überraschung war wohl nicht gespielt, als Doris Wicki auf die Bühne geholt wurde. Mit ihrem Festmode-Geschäft kleidet sie seit Jahren die Moderatorin ein und erhielt dafür die Ehrenmitgliedschaft im Männerchor. Die gleiche Ehre wurde Vizedirigentin Silvia Estermann zuteil.
Überzeugender Auftritt der Helvetia Manne
Einen wesentlichen Teil der zweiten Programmhälfte bestritten die Helvetia Manne, die sich mehrheitlich aus Sängern des Männerchors rekrutieren und seit Juni 2023 in eigener Formation auftreten. Das stimmgewaltige Septett intonierte mehrheitlich Gassenhauer, die Ricardo Sanz komponiert und ihnen quasi auf den Leib geschrieben hat. Und das vielstimmige «La Montanara» hat wohl nicht nur Heimweh-Leventinern Hühnerhaut beschert.
Fulminantes Finale
Den vermeintlichen Abschluss des Konzerts bildete ein Medley bekannter Hits. Doch das Publikum insistierte und forderte mit kräftigem und lang anhaltendem Applaus Zugaben. Mit «Ciao Amore» und «Good Bye My Love Good Bye» verabschiedeten sich der Männerchor und die Helvetia Manne gemeinsam. Für viele waren die letzten Takte aber noch längst nicht der Zeitpunkt, sich «uf u dervo» und auf den Heimweg zu machen. Sie genossen die feinen Leckerbissen aus der Küche, schwangen das Tanzbein zur Musik der aus Österreich angereisten Band «Zunder» oder testeten das Angebot der Bar.
Roland Marti



