Kein dringender Handlungsbedarf?
26.02.2026 BeromünsterIn der Wyna ist im vergangenen Herbst massiv zu viel Pestizid nachgewiesen worden. Der Kanton Luzern informierte die Landwirte der Region schriftlich über deutliche Grenzwertüberschreitungen. Gemessen wurde die über 4000-fach über dem Grenzwert liegende Menge des Wirkstoffs ...
In der Wyna ist im vergangenen Herbst massiv zu viel Pestizid nachgewiesen worden. Der Kanton Luzern informierte die Landwirte der Region schriftlich über deutliche Grenzwertüberschreitungen. Gemessen wurde die über 4000-fach über dem Grenzwert liegende Menge des Wirkstoffs Deltamethrin – ein Insektizid, das für Fische und Wasserinsekten hochgiftig ist.
Die Messungen erfolgten im September und Oktober 2025. Der höchste festgestellte Wert lag bei 7,3 Nanogramm pro Liter. Der ökotoxikologische Schwellenwert beträgt 0,0017 Nanogramm pro Liter – die Konzentration war damit rund 4200-mal zu hoch. Laut Manuel Kunz, Abteilungsleiter Oberflächengewässer des Kantons Luzern, in der SRF-«Rundschau» konnten die hohen Messwerte einer bewilligten Behandlung von Rapsfeldern mit Deltamethrin zugeordnet werden. Der Wirkstoff wird gegen den Rapserdfloh eingesetzt, ein Schädling, der grosse Schäden anrichten kann.
Wie die WWF in einem Factsheet festhält, wirkt Deltamethrin als Nervengift: Es lähmt Insekten und kann Wasserorganismen abtöten. Über Abdrift beim Spritzen oder durch Abschwemmung bei Regen gelangt der Stoff in Bäche wie die Wyna.
Für zusätzliche Brisanz sorgt der politische Umgang mit dem Wirkstoff. In der Rundschau vom 18. Februar berichtete SRF, dass das Bundesamt für Umwelt (Bafu) ursprünglich für elf besonders gefährliche Pestizide strengere Grenzwerte ausarbeiten wollte. Nach Gesprächen mit dem Schweizer Bauernverband seien jedoch vier Wirkstoffe – darunter Deltamethrin – von der Liste gestrichen worden.
Das Bundesamt für Justiz kritisierte dieses Vorgehen in einer Stellungnahme als nicht gesetzeskonform. Für die Festlegung ökotoxikologischer Grenzwerte sei einzig die Giftigkeit eines Stoffes massgebend; landwirtschaftspolitische Überlegungen seien im Verfahren nicht vorgesehen, heisst es gemäss «Rundschau».
Umweltminister Albert Rösti verteidigte den Entscheid in der Sendung. Deltamethrin sei für bestimmte Kulturen «zwingend notwendig», Alternativen fehlten. Man werde Grenzwerte in einer zweiten Phase prüfen. Die Wasserqualität sei nicht gefährdet, sofern das Mittel sachgerecht angewendet werde, so Rösti.
Kantone: Keine Hektik
Für die Bevölkerung im Gebiet der Wyna bestand laut Behörden keine akute Gefahr: Aus der Wyna wird kein Trinkwasser gewonnen. Dennoch zeigen die Messungen, wie stark Gewässer durch Pflanzenschutzmittel belastet werden können.
«Der Kanton Aargau hat letztmals im Jahr 2024 koordiniert mit dem Kanton Luzern die Wyna hinsichtlich organischer Mikroverunreinigungen von Mai bis Oktober untersucht», sagt Dr. Martin Märki, Teamleiter Labor und Oberflächengewässer des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt. «In einer einzelnen Probe (2-Wochensammelprobe) der Wyna in Reinach wurde Deltamethrin über den ökotoxikologisch basierten Qualitätsanforderungen nachgewiesen. Im Jahr 2025 hat der Kanton Aargau keine eigenen Messungen in der Wyna durchgeführt.» Im Frühling 2026 sei geplant, Untersuchungen mit biologischen Indikatoren an verschiedenen Stellen in der Wyna durchzuführen und den biologischen Zustand erneut zu erfassen.
«Im Kanton Luzern wird die Grenzwertüberschreitung von Beromünster im Rahmen der periodisch stattfindenden Round-Tables zum Projekt Absenkpfad Pflanzenschutzmittel Kanton Luzern mit den Betroffenen im Einzugsgebiet der Wyna erörtert», erklärt Werner Göggel, Abteilungsleiter Gewässer und Boden vom Bau-, Umweltund Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern. Angesichts der vielen Reaktionen aus der Bevölkerung, auch in den Leserbriefspalten dieser Zeitung, hätte sich manch einer wohl raschere Massnahmen gewünscht.
Roland Marti

