Frauenpower in der klassischen Musik
19.02.2026 Suhren-/Rueder-/Uerkental, SchöftlandUnter dem Titel «unheard» boten Daria Zinniker und Leonie Bättig in der Aula der Bezirksschule Schöftland, zusammen mit «Pro Schöftland», einen aussergewöhnlichen Konzertabend, indem sie in einem ersten Teil Werke aus unterschiedlichen Epochen und Nationen, ...
Unter dem Titel «unheard» boten Daria Zinniker und Leonie Bättig in der Aula der Bezirksschule Schöftland, zusammen mit «Pro Schöftland», einen aussergewöhnlichen Konzertabend, indem sie in einem ersten Teil Werke aus unterschiedlichen Epochen und Nationen, komponiert von Frauen, darbrachten. Danach folgte ein Stück für Streichquartett, komponiert von der Zofingerin Leonie Bättig. Sie vertonte Ovids Mythos «Ceyx und Alcyone».
Komponistinnen hatten es früher schwer, anerkannt zu werden, obwohl Frauen Werke schaffen, die einzigartig sind. Diese Tatsache inspirierte die beiden Musikerinnen, ein Konzert zu realisieren, ausschliesslich mit Werken von Frauen, dargeboten von Frauen. Die Grundlage dazu bilden die Maturaarbeiten der beiden begeisterten Künstlerinnen. Daria Zinniker (Violine) – sie führte auch professionell durch den Abend – und Viviane Gloor (Klavier) eröffneten diesen aussergewöhnlichen Anlass mit einer Komposition im romantischen Stil der Amerikanerin Amy Beach (1867-1944), besinnlich und wuchtig zugleich. Sie hat sich das Komponieren selbst beigebracht. Etwas speziell war «dos diálogos for Violin and Piano», denn atonale Musik ist in unseren Kreisen gewöhnungsbedürftig. Fermina Casanova (1900-1969) schrieb dieses Stück. Die Argentinerin war Dozentin, Komponistin und Pianistin.
Lilian Elkingon (1900-1969) schrieb die «Romance for Violin and Piano», ebenfalls aus der Romantik. Die Engländerin gab mit der Heirat ihre Musikkarriere auf und spielte nur noch Orgel. Komponieren tat sie jedoch weiterhin. Nach ihrem Tod hat ihr Mann alle Noten verbrannt, nur noch einzelne Stücke, umso wertvoller, sind heute vorhanden.
Einheimische Komponistin
Nathalie Laesser Zweifel (*1976) kommt aus Zofingen und hat Klassik und Jazz studiert. Ein Werkpreis des Aargauer Kuratoriums ermöglichte ihr einen Aufenthalt in Südamerika, wo sie von ihrem Fenster aus den «Arcos de Lapa» sehen konnte. Diese Brücke inspirierte sie zu einem melancholischen Stück, das von Daria Zinniker und Viviane Gloor einfühlsam nachempfunden wurde. Von der Argentischen Pampa inspirieren liess sich Elsa Calcagno (1905-2003). Sie schuf 1954 «Tres piezas características», temperamentvoll und virtuos. «Adoration» von Florence Price (1887-1953) wurde in B-Dur geschrieben und kommt freundlich daher. Die Komponistin pflegte den romantischen Stil, machte aber auch afroamerikanische Volksmusik sowie Pop und Werbemusik, letztere allerdings unter einem Pseudonym. Schliesslich erklang die «Spring Sonata for Violin and Piano, 1. Allegro» von Dora Pejačević. Ihr Vater war Kroate, die Mutter Ungarin. Als Tochter wohlhabender Eltern konnte sie im Ausland studieren. Ihre Kompositionen im romantischen Stil sind geprägt vom 1. Weltkrieg. Spannende Tonartenwechsel halten das Publikum in Atem. Dieser Vortrag zum Abschluss des ersten Teils war schlichtweg eine Wucht und setzte den bisherigen Perlen noch eine weitere Zacke drauf.
Klangvoll: Ovids Mythos
Für den zweiten Teil war eine Umstellung erforderlich, denn auf der Bühne standen nun die beiden Violonistinnen, Daria Zinniker und Magalie Kast, sowie die Komponistin, Leonie Bättig (Viola), untermalt von der Cellistin, Felizia Bättig. Die junge Zofingerin hat als Maturaarbeit Ovids Mythos «Ceyx und Alcyone» vertont. Erst stellte sie das Leitmotiv der beiden Protagonisten vor. In der griechischen Mythologie sind Ceyx (Keyx) und Alcyone ein innig liebendes Königspaar, das nach Ceyx’ Tod im Sturm und Alcyones Verzweiflungstat von den Göttern in Eisvögel verwandelt wurde. Die 15 Minuten dauernde Darbietung vermochte ausnahmslos zu überzeugen. Das Publikum war hell begeistert.
Frieda Steffen


