Ende März schliesst der Dorfladen Reitnau definitiv seine Türen. Mit ihm verschwindet auch die Postagentur aus dem Dorf. Trotz jahrelanger Bemühungen um Lösungen war der Betrieb bei Weitem nie rentabel. Künftig setzt die Gemeinde auf Hausservice und die Postfiliale im ...
Ende März schliesst der Dorfladen Reitnau definitiv seine Türen. Mit ihm verschwindet auch die Postagentur aus dem Dorf. Trotz jahrelanger Bemühungen um Lösungen war der Betrieb bei Weitem nie rentabel. Künftig setzt die Gemeinde auf Hausservice und die Postfiliale im benachbarten Staffelbach.
Am Samstag, 28. März, um 12.15 Uhr ist endgültig Schluss: Der Dorfladen Reitnau stellt seinen Betrieb ein. In einem letzten Flyer in alle Haushaltungen der Gemeinde verabschiedet sich der Dorfladen von seiner Kundschaft.
Eigentümer Thomas Burgherr, von der Burgherr Holding AG, spricht von einem schweren Entscheid. Seit der Übernahme im Jahr 2014 habe man immer wieder darauf hingewiesen, dass der Betrieb nicht kostendeckend sei, und um Unterstützung gebeten. Trotz verschiedener Anläufe und Gespräche – auch gemeinsam mit der Gemeinde – sei es nicht gelungen, den Laden langfristig auf sichere Beine zu stellen. Selbst ein möglicher Standort im geplanten Attel-Park in Attelwil wurde geprüft, blieb jedoch ohne Ergebnis.
Der Dorfladen kämpfte während Jahren mit roten Zahlen. Kein Geschäftsjahr konnte mit Gewinn abgeschlossen werden. Der wachsende Schuldenberg, den die Burgherr Holding bislang getragen hatte, habe schliesslich ein nicht mehr verantwortbares Ausmass erreicht, so Burgherr. Mit der Schliessung endet eine zwölfjährige Ära: Seit dem Neustart war der Laden mit Kaffee-Ecke und Postagentur (die kam später dazu) nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern auch sozialer Treffpunkt und Teil der Grundversorgung. Besonders ältere Menschen hätten seine Initiative geschätzt, sagt Burgherr – gerade für sie tue ihm das Aus besonders leid.
Doppelter Verlust für Reitnau
Mit dem Dorfladen verschwindet auch die Postagentur aus dem Dorf. Gemeindeammann Katrin Burgherr spricht von einem «herben Schlag». Der gleichzeitige Wegfall von Einkaufsmöglichkeit und Post treffe die Gemeinde empfindlich. Sie würdigt den langjährigen Einsatz von Thomas Burgherr zugunsten der Bevölkerung.
Der Gemeinderat prüfte gemeinsam mit der Post Alternativen, verwarf jedoch eine neue Agentur im Gemeindehaus. Die bisherige Nutzung habe durchschnittlich im tiefen einstelligen Bereich pro Tag gelegen. Zudem wären die Öffnungszeiten deutlich eingeschränkter gewesen als jene der Postagentur im Volg in Staffelbach, die von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet ist. Viele Einwohnerinnen und Einwohner erledigten ihre Einkäufe und Postgeschäfte ohnehin ausserhalb des Dorfs. Eine zusätzliche Lösung im Gemeindehaus hätte laut Gemeinderat keinen echten Mehrwert gebracht.
Hausservice und Staffelbach als Ersatz
Künftig setzt Reitnau auf zwei Angebote: Zum einen bietet die Post einen kostenlosen Hausservice an. Sendungen können direkt an der Haustür aufgegeben, Einzahlungen auch bar erledigt werden. Zum anderen steht die Postagentur im Volg Staffelbach für sämtliche Postgeschäfte zur Verfügung. Der Standort ist mit Auto und öffentlichem Verkehr gut erreichbar.
Raphael Nadler