Der stille Schaffer im Hintergrund
26.02.2026 Seetal, DürrenäschWährend im Public Viewing in Aarau über 100 Fans mit ihrem Curling-Team Tirinzoni mitfiebern, steht einer ganz hinten, beinahe regungslos: Daniel Gubler. Der Eismeister des CC Aarau verfolgt den Olympia-Final der Schweizer Curlerinnen gegen Schweden still. Er weiss, seine Arbeit war ...
Während im Public Viewing in Aarau über 100 Fans mit ihrem Curling-Team Tirinzoni mitfiebern, steht einer ganz hinten, beinahe regungslos: Daniel Gubler. Der Eismeister des CC Aarau verfolgt den Olympia-Final der Schweizer Curlerinnen gegen Schweden still. Er weiss, seine Arbeit war eines dieser vielen kleinen Puzzleteile zum Gewinn dieser Silbermedaille.
Als in Italien der letzte Curling-Stein gespielt wird, hält auch in der Telli in Aarau niemand mehr den Atem an. Schweden gewinnt 6:5, die Schweiz holt Silber. Enttäuschung mischt sich mit Stolz – und ganz hinten im Saal lächelt einer leise: Daniel Gubler aus Dürrenäsch.
Der 46-Jährige ist seit 2019 vollamtlicher Eismeister in der Curlinghalle Aarau, der Heimhalle des Teams um Skip Silvana Tirinzoni. Er weiss besser als die meisten, wie viele Trainingsstunden, wie viel Schweiss und Verzicht in dieser Medaille stecken. Seit rund 15 Jahren spielt Tirinzoni für den CC Aarau. «Hier finden wir sehr gute Trainingsmöglichkeiten und können in Ruhe arbeiten», sagte sie einst. Dass diese Bedingungen stimmen, dafür sorgt Gubler.
Curlingeis ist eine Wissenschaft für sich. Anders als bei einer gewöhnlichen Eisfläche steht dem Eismeister lediglich ein Balkenhobel zur Verfügung. Der Rest ist Handarbeit, Präzision, Erfahrung. «Der ganze Aufbau erfolgt von Hand», sagt Gubler, der sich selbst als Allrounder bezeichnet. Seinen Vorgänger Vitek Nekovarik weihte Gubler während drei Saisons in die Kunst des Curling-Eis-Machens ein. In der Zwischenzeit hat sich der Dürrenäscher viel Spezialwissen angeeignet.
Dass Tirinzoni just in jenem Jahr erstmals Weltmeisterin wurde, als er seine Stelle in Aarau antrat, sei «wohl eher Zufall», meint er bescheiden.
Hochbetrieb in Aarau
Gerne wäre Gubler bei Olympia selbst vor Ort gewesen – um mitzuerleben und um den internationalen Eismeistern über die Schultern zu schauen. Doch in Aarau herrscht Hochsaison. Rund 170 Mitglieder zwischen 7 und fast 80 Jahren spielen hier Curling, dazu trainieren regelmässig andere Spitzenteams. «Weil es so zentral ist», sagt Gubler. «Und weil das Eis hier so gut ist», schiebt Aaraus Co-Präsident Mike Laub nach.
Gublers Arbeit wird immer wieder gelobt, auch während des Olympia-Finals im Public Viewing. Doch an diesem Sonntag steht nicht er im Mittelpunkt – und genau so liebt er es.
CC-Co-Präsident Mike Laub steht während dem Final am Grill, das Handy mit dem Livestream im Blick. «Gold wäre das i-Pünktchen», sagt er zwischen zwei Würsten. Doch es kommt anders. Im achten End misslingt der entscheidende Stein hauchdünn, Schweden stiehlt einen Punkt. Zwar gleicht die Schweiz nochmals aus, doch mit dem letzten Stein sichert sich Anna Hasselborg das 6:5.
«Medaille glänzt wunderschön»
«Unser Ziel war immer eine Medaille, egal welche Farbe», sagt Silvana Tirinzoni später in die Mikrophone. «Die Medaille glänzt wunderschön.» Bei der Verabschiedung im Public Viewing sagt Co-Präsident Laub: «Unser Team hat Silber gewonnen, nicht Gold verloren.» Daraufhin hebt er das Glas auf die Aarauer Olympia-Heldinnen. Gubler applaudiert mit.
Innerlich freut er sich mit den Silber-Girls. Er hat zwar nicht geworfen, nicht gewischt, nicht den letzten Stein gespielt. Aber er hat in Aarau für gutes Eis und tolle Trainingsbedingungen gesorgt. Und so hat auch er – der stille Schaffer aus Dürrenäsch – ein kleines Stück zu dieser silbernen Medaille der Aarauer Curlerinnen beigetragen.
Tag der offenen Tür
Und wer selbst einmal Curling-Luft schnuppern möchte: Am 28. Februar lädt der CC Aarau zum «Tag der offenen Halle» von 10 bis 17 Uhr neben der Keba ein. Denn eines hat der Curling-Wettbewerb bei Olympia gezeigt – Curling ist mehr als ein Spiel. Es ist Leidenschaft, die ansteckt.
Raphael Nadler


