Auch Benno Woodtli tritt aus beruflichen Gründen zurück
26.02.2026 LeimbachDie kleine Gemeinde Leimbach im Oberwynental kommt nicht zur Ruhe. Nach dem bereits länger bekannten Rücktritt von Gemeinderat Thomas Hunziker, ist nun auch der Vizeammann Benno Woodtli aus dem Gemeinderat ausgetreten, und zwar per sofort.
Benno Woodtli-Stüwe gehörte dem ...
Die kleine Gemeinde Leimbach im Oberwynental kommt nicht zur Ruhe. Nach dem bereits länger bekannten Rücktritt von Gemeinderat Thomas Hunziker, ist nun auch der Vizeammann Benno Woodtli aus dem Gemeinderat ausgetreten, und zwar per sofort.
Benno Woodtli-Stüwe gehörte dem Gemeinderat Leimbach 10 Jahre an, davon etwas mehr als vier Jahre als Vizeammann. Beruflich ist Woodtli als Projektleiter in der Zirkusbranche tätig. In diesem Bereich habe sich ihm eine unerwartete Perspektive eröffnet, erklärt der 56-Jährige gegenüber dem Wynentaler Blatt: «Es ging alles sehr schnell, das Angebot bringt mich in meinem Beruf einen grossen Schritt weiter, doch lässt sich das zeitlich mit dem Mandat im Gemeinderat nicht vereinbaren.» Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, die Arbeit mit den Ratsmitgliedern sei ausgezeichnet gewesen. «Doch in diesem Fall muss ich an meine berufliche Zukunft denken», hält Woodtli fest. Die Demission habe er am 16. Februar dieses Jahres eingereicht, inzwischen liegt die Genehmigung durch die Gemeindeabteilung des Kantons Aargau vor.
Zwei Sitze sind zu besetzen
An der Wintergmeind im November des vergangenen Jahres gab bereits Thomas Hunziker aus beruflichen Gründen seine Demission im Gemeinderat bekannt. Der «Globibuur» engagiert sich derzeit noch stärker im eigenen Betrieb, da sich die familieninterne Nachfolgelösung anders entwickelt, als geplant. Das bringt die verbleibenden Ratsmitglieder unter Druck. Einerseits müssen Gemeindeammann Hannelore Zingg und die beiden Gemeinderäte Monika Bruderer und Patrick Meyer zusätzliche Ressorts übernehmen und sie müssen nun zwei neue Ratskollegen finden. «Ich weiss nicht, wen ich noch fragen soll», sagt Hannelore Zingg mit hörbar gedämpfter Stimme, «ich erhalte lauter Absagen». Sie verliere mit Benno Woodtli nicht nur ein Mitglied im Gemeinderat, sondern eine wichtige Stütze. «Dass ich mich als Ammann habe wählen lassen, ist wesentlich Benno zu verdanken, er war immer ein wichtiger Rückhalt für mich».
Bevölkerung in die Pflicht nehmen
Andererseits stecken die Leimbacher Behörden mitten in den Abklärungen bezüglich einer Fusion mit Reinach. Was aus neutraler Betrachtung ein nachvollziehbarer Weg zu sein scheint, weckt im Dorf viele Emotionen. Anlässlich einer Informationsveranstaltung im Mai letzten Jahres war eine Abwehrhaltung gegenüber der viel grösseren Gemeinde Reinach festzustellen. «Die Diskussion um die Fusion», unterstreichen sowohl Zingg, wie auch Woodtli, «ist nicht der Grund für den Rücktritt. Dieser erfolgt ausschliesslich aus den genannten beruflichen Gründen.»
Die Suche nach Menschen, die sich in einem öffentlichen Amt engagieren wollen, werde auch in Leimbach immer schwieriger. Das gelte sowohl für den Gemeinderat, wie auch für die Kommissionen, «bei denen wir jedes Mal das Glück haben, wenn die bestehenden Mitglieder sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stellen», sagt Hannelore Zingg. Ersatz zu finden, sei auch in diesen Fällen eine grosse Herausforderung. Sie sei, so Zingg weiter, sehr dankbar für dieses Engagement, nimmt die Bevölkerung aber auch in die Pflicht: «Ich wünsche mir, dass sich Leimbacherinnen und Leimbacher melden, welche sich für das Dorf engagieren, ob die Fusion nun zustande kommt und erst recht, wenn sie nicht zustande kommt.»
Keine offiziellen Kandidierenden am 8. März ‒ und für die Wahlen, voraussichtlich am 14. Juni, steht die Ausschreibung erst noch an. Was passiert, wenn sich bis zum letzten Wahltermin keine neuen Gemeinderäte finden lassen?
Martin Süess, Leiter der Gemeindeabteilung beim Departement des Inneren sagt, dass es keine fixfertigen Lösungen gebe, für eine Situation, wie sie sich in Leimbach präsentiert. «Diese ist auch deshalb besonders, weil die Suche nach Gemeinderäten und die Debatte um eine mögliche Fusion mit Reinach, aber auch die angespannte finanzielle Lage zweifellos in direktem Zusammenhang stehen». Das könne ein Grund sein, sich in der Gemeinde nicht engagieren zu wollen, böte aber auch eine Chance, direkten Einfluss auf das weitere Vorgehen und auf das Dorfleben zu nehmen. «Von Kantonsseite können wir die Gemeinde unterstützen, indem wir eine gemeinsame Infoveranstaltung durchführen. Dabei zeigen wir auf, wie wertvoll die Arbeit in einem öffentlichen Amt ist und wie viel man als Gemeinderat bewegen kann.»
Im Idealfall bringe das schon eine Lösung. Erst zuletzt kämen amtlichen Schritte zum Zuge, die von einer Untersuchung bis hin zu einer (Teil-) Sachverwalterschaft gehen könnten. «Letzteres hiesse, dass die Verwaltung ganz oder teilweise von externen Stellen übernommen würde, was vor allem sehr teuer sei und eine weitere Gefahr berge», so Martin Süess weiter. «Die Gefahr ist da, dass die jetzt noch verbliebenen Gemeinderäte das Handtuch auch noch werfen und die Gemeinde vollends in eine Schieflage gerate.»
«Ich wünsche mir, dasssich Leimbacherinnen und Leimbacher melden, welche sich fürdas Dorf engagieren, ob die Fusion nun zustande kommt und erst recht, wenn sie nicht zustande kommt»
Hannelore Zingg-Hoffmann Frau Gemeindeammann Leimbach
Soweit ist man in Leimbach aber noch lange nicht. Vielleicht erhält am 8. März eine nicht kandidierende Person so viele Stimmen, dass diese die Wahl annimmt, oder sich für einen weiteren Wahlgang zur Verfügung stellt. Frau Gemeindeammann Hannelore Zingg hat die Hoffnung nicht aufgegeben: «Wir leben in einer schönen Gemeinde, in einer ebenso schönen Gegend, das Zusammenspiel im Gemeinderat ist sehr kollegial und wir helfen einander. Was die Ressorts angeht», so Hannelore Zingg abschliessend, «werden wir eine Lösung finden, da bin ich sicher.»
Remo Conoci




