Während die Glocken in der ganzen Schweiz läuteten, im Gedenken an die Opfer und die Betroffenen der Katastrophe in Crans Montana, schwiegen in der Kirche Leerau zahlreiche Menschen gemeinsam und versuchten, vergebens, das Ganze zu verstehen.
Die Pfarrerin der ...
Während die Glocken in der ganzen Schweiz läuteten, im Gedenken an die Opfer und die Betroffenen der Katastrophe in Crans Montana, schwiegen in der Kirche Leerau zahlreiche Menschen gemeinsam und versuchten, vergebens, das Ganze zu verstehen.
Die Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Leerau, Christine Bürk, gestaltete eine besinnliche Gedenkfeier für die Opfer, die Betroffenen, die Hilfskräfte, die Pflegenden, aber auch für die Behörden von Crans Montana und Mitarbeitenden der Bar Constellation. Für sie alle hat die Neujahrsnacht eingreifende Konsequenzen – auf einen Schlag ist nichts mehr so wie es war, und sowohl die überlebenden Brandopfer als auch ihre Angehörigen haben einen langen, schwierigen Weg vor sich.
Warum in Kirchleerau
Auf diese Frage antwortete Pfarrerin Christine Bürk: «Mir ist wichtig geworden, dort wo Worte fehlen, wo die unterschiedlichsten Gefühle uns berühren, wo Menschen derart betroffen sind, eine liturgische Gedenkfeier anzubieten mit dem Läuten der Kirchenglocken, mit dem gemeinsamen Schweigen, mit Gebeten, mit Musik und mit dem Anzünden von Kerzen. Wir können den Betroffenen dieses unsägliche Leid nicht abnehmen, Worte für das, was passiert ist, finden wir nicht, aber was wir können, ist an diese Menschen zu denken, für sie zu beten, mit ihnen zu schweigen, mit ihnen auszuhalten, was nicht auszuhalten ist. Auch in mir sind Fragen, und ich habe keine Antwort. Aber ich halte mich an dem fest, an den ich glaube, und der mich in dieser Situation trägt: der mitleidende Gott am Kreuz, Jesus Christus.»
Der Trauer Raum geben
In diesem Sinne lautete auch ihre Predigt, die mit feierlicher Musik durch Claudia und Riwert Petersen auf Streichinstrumenten und Blockflöte umrahmt wurde. Nun heisse es, der Trauer genügend Raum zu geben, damit irgendwann wieder ein Fenster der Hoffnung aufgehen kann. «Möge die Liebe stärker sein als die Verzweiflung», gab die Pfarrerin ihrer Hoffnung Ausdruck.
Die zahlreichen Mitfeiernden hatten verschiedene Beweggründe, an dieser Feier teilzunehmen. Einige kamen mit ihren Kindern und Enkeln, in demütiger Dankbarkeit, dass sie da sind und unversehrt. Andere wollten mit ihrem Dasein tiefes Mitgefühl und Solidarität ausdrücken. Die Betroffenen sollen spüren, dass sie in ihrer grossen Not nicht allein gelassen werden!
Frieda Steffen