Mitten im Trubel der Tagesstrukturen
29.01.2026 Michelsamt, RickenbachEinmal im Monat berichten die einzelnen Rickenbacher Gemeinderäte und der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und Eindrücke. ...
Einmal im Monat berichten die einzelnen Rickenbacher Gemeinderäte und der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und Eindrücke. Den Januar-Beitrag liefert Anita Habermacher-Furrer, Gemeinderätin Ressort Bildung.
Um mir selbst ein Bild vom Alltag in den neuen Räumlichkeiten der Tagesstrukturen Rickenbach zu machen, habe ich diese Anfang Januar besucht. Es ist kurz nach elf Uhr, als ich die Tür zur Mensa öffne. Noch herrscht Ruhe. Jene besondere Art von Ruhe, bei der man weiss, sie ist nur von kurzer Dauer. In weniger als einer Stunde werden hier rund 40 hungrige Kinder zum Mittagessen eintrudeln.
Ausgewogene Kost aus der Region
In der neuen Mensa bin ich nicht allein. Anna Junker ist bereits mit dem Kochen beschäftigt, heute ist sie für das Menü verantwortlich. Auch Michaela Stocker, zuständig fürs Tischen, Schöpfen und später für die Nachmittagsbetreuung, ist an der Arbeit. Mir fällt sofort auf, dass die Sitzplätze nicht frei wählbar, sondern mit Namensschildern zugeteilt sind, pädagogisch vermutlich äusserst klug. Das heutige Menü ist auf einer Tafel liebevoll mit Kreide angeschrieben und steht gut sichtbar auf der Fensterbank. So können die Kinder schon draussen erspähen, was sie heute zum Mittagessen erwartet. Zur Vorspeise gibt es Bouillonsuppe, Salat und Rohkost, danach Poulet-Knusperli mit Ofenkartoffeln. Da ich nicht nur herumstehen möchte, biete ich Anna meine Hilfe an und finde mich wenig später mit einem Kartoffelschäler ausgerüstet wieder. Während wir schälen, erzählt mir Anna, dass die Menüplanung bereits bis zu den Fasnachtsferien steht. Kein Wunder, denn wer regional im Dorf einkauft, muss vorausplanen.
Eingespieltes Team mit klarer Organisation
Nach Schulschluss um 11.45 Uhr treffen auch Priska Kammermann, Leiterin der Tagesstrukturen, und Claudia Estermann ein. Die Kinder wissen, zuerst geht’s noch kurz nach draussen, frische Luft, austoben. Punkt 12 Uhr dürfen dann alle gemeinsam hinein. Jacken werden an der Garderobe aufgehängt, Finken angezogen, Plätze eingenommen. Priska läutet mit der Glocke, begrüsst die Runde und bittet um Ruhe. Einige Jungs müssen freundlich, aber bestimmt daran erinnert werden, dass das Handy jetzt Pause hat und weggelegt werden muss. Obwohl sie das eigentlich längst wissen und bestimmt schon öfters gehört haben. Tischweise geht es anschliessend ans Buffet, wo die vier Betreuerinnen die Vorspeise schöpfen. Die Kinder können bei Bedarf noch einmal nachschöpfen, bevor es dann ans Buffet für den Hauptgang geht. An Spitzentagen, jeweils dienstags und donnerstags, sind vier Betreuungspersonen im Einsatz, am Montag und Freitag drei, am Mittwoch zwei. Ein eingespieltes Team, das Hand in Hand arbeitet und füreinander einspringt, wenn es nötig ist.
Auch ich darf mich am Buffet bedienen und setze mich an den Tisch zu einer Gruppe Drittklässlerinnen. Eine von ihnen ist sichtlich fasziniert von meiner Anwesenheit und löchert mich pausenlos mit Fragen. Wer ich bin, was ich mache, ob ich Kinder habe, begleitet von ausführlichen Berichten aus ihrem eigenen Leben. Mehrmals muss ich sie daran erinnern zu essen, da das Essen sonst kalt wird. Neben ihr sitzt ein anderes Mädchen, das mir stolz erzählt, dass sie als Drittklässlerin nun selbst entscheiden darf, ob sie nach dem Mittagessen in den Tagesstrukturen bleibt oder nach draussen geht. Heute, bei dichtem Schneefall, ist ihre Entscheidung klar: Raus! Allerdings gilt eine Regel: Vom Tisch darf man erst aufstehen, wenn alle fertig gegessen haben. Geduldig wartet sie, nur um dann mitzuerleben, wie ihre Tischnachbarin sich kurz vor Schluss nochmals Nachschlag holt. Das Mädchen bleibt ruhig, ich schmunzle und bewundere ihre Selbstbeherrschung.
Nach dem Essen geht es ans Zähneputzen. Kurz darauf lassen zahlreiche weit aufgerissene Münder keinen Zweifel: Hier wurde gründlich gearbeitet. Einige Kinder gehen nach draussen, die anderen ins erste Obergeschoss. Dort eröffnet sich eine wahre Spiel- und Erlebniswelt. Einkaufsladen, Brio-Bahn, Lego-Ecke, Bewegungsraum, Bastelbereich und vieles mehr. Priska erklärt mir später, dass genau diese grosszügigen Räumlichkeiten ein grosser Gewinn sind. Die Kinder hätten sich sehr über den Wechsel gefreut, auch das Team. Gleichzeitig brauche es in den grösseren Räumlichkeiten mehr Ressourcen und Aufmerksamkeit, da man die Kinder nicht mehr ganz so leicht im Blick habe wie früher. Dafür müsse heute nicht mehr alles ständig weggeräumt werden. Spielen, Hausaufgaben und Bewegung hätten nun gleichzeitig Platz.
Angebot nicht mehr wegzudenken
Auf meine Frage nach besonderen Herausforderungen beim Umzug schüttelt Priska den Kopf. Nein, grössere Schwierigkeiten habe es keine gegeben. Auch von den Eltern kommen ausschliesslich positive Rückmeldungen. Der neue Standort sei übersichtlicher, das Abholen einfacher, und dass die Kinder nun erst um 18 Uhr statt wie früher um 17.30 Uhr abgeholt werden müssen, werde sehr geschätzt und rege genutzt. Insgesamt zeigt sich auch an den Zahlen, wie wichtig dieses Angebot ist. In den Tagesstrukturen im Ortsteil Rickenbach sind aktuell 91 Kinder angemeldet, im Ortsteil Pfeffikon weitere 31. Eine stattliche Anzahl und gleichzeitig ein klarer Auftrag, diesem Angebot Sorge zu tragen und es weiter umsichtig zu gestalten. Natürlich bringt mehr Raum nicht nur Vorteile. Die grosse Mensa etwa könne für gewisse Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf auch herausfordernd sein. Umso wichtiger seien heute die engeren Absprachen mit den Lehrpersonen, wie Priska erklärt, etwas, das früher in dieser Intensität noch nicht nötig war.
Tatkräftig mit kompetenter Sensibilität
Mein Besuch hat mir eindrücklich gezeigt, wie viel Organisation, Engagement und pädagogisches Feingefühl hinter dem Alltag der Tagesstrukturen steckt. Die seit dem Schuljahr 2025/26 neu eröffneten Räumlichkeiten sind weit mehr als nur grösser geworden. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für Kinder, für Familien und ein Betreuungsteam, das mit Herzblut Hand in Hand arbeitet. An dieser Stelle möchte ich allen Mitarbeitenden der Tagesstrukturen Rickenbach und Pfeffikon meinen herzlichen Dank aussprechen. Ihr täglicher Einsatz und ihre Flexibilität tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Kinder wohlfühlen und der Alltag für viele Familien verlässlich funktioniert.
Anita Habermacher-Furrer


