Vier Seniorinnen und Senioren – jeder mit seiner Geschichte, aber einem gemeinsamen Problem: Einsamkeit. Autor Marius Leutenegger hat ein Stück entwickelt, das zum Handeln motivieren möchte.
«Genau so ist es.» Eine Zuschauerin im Saal des Kirchgemeindehauses war so ...
Vier Seniorinnen und Senioren – jeder mit seiner Geschichte, aber einem gemeinsamen Problem: Einsamkeit. Autor Marius Leutenegger hat ein Stück entwickelt, das zum Handeln motivieren möchte.
«Genau so ist es.» Eine Zuschauerin im Saal des Kirchgemeindehauses war so sehr ins Stück eingetaucht, dass sie nicht merkte, wie sie hörbar kommentierte. Keiner störte sich daran. Schliesslich wollten sie alle wissen, was den Mann auf der Bühne so einsam machte, dass er sich sogar in Therapie begab. Das Publikum nickte fleissig, er vermisste seine Kinder, die inzwischen erwachsen waren. Die Frau neben ihm war Coiffeurmeisterin mit eigenem Salon gewesen. «Da war immer etwas los – nur blieb nach der Pension alles leer Zuhause.» «Ich habe mich auf die Zeit nach der Arbeit gefreut», die zweite Dame in der Runde strahlte sichtlich. «Endlich hatte ich Zeit, mit meiner Schwester auf Reisen zu gehen.» Ihr Gesicht wurde ernst. «Aber nach ihrem Tod war ich plötzlich allein.»
Die gespielten Kurzgeschichten zeigten nicht nur, wie individuell das Thema Einsamkeit ist, sondern auch wie bedrückend. Doch mit diesem Gefühl entliessen Jürgen Braun, Madeleine Graf, Elvina Bonfa und Marius Leutenegger ihre Zuschauer nicht in den Nachmittag. Erst einmal verriet Autor und Regisseur Marius Leutenegger einiges über den Hintergrund zu «Einsamkeit im Alter». «Initiiert wurde das Projekt 2022 vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung. Mittlerweile unterstützen uns zahlreiche kantonale Einrichtungen - wir haben inzwischen über 120 Vorstellungen gespielt.»
Ein Kompliment zum Start
Vom Erzählen ging er über ins Gespräch. «Wer von ihnen fühlt sich schon manchmal einsam?» Es erhoben sich da und dort Hände. «Dann kann ich ihnen gratulieren. Sie sind diesem Gefühl mutig entgegengetreten, haben ihr Zuhause verlassen und sich hier mit Menschen getroffen.» Das Kompliment weckte ein Lächeln auf manchen Gesichtern. «Was können sie sich an anderen Aktivitäten vorstellen?» Die Liste entwickelte eine imposante Länge: Ein neues Hobby, Wandergruppe, Vereinsaktivitäten, Freiwilligenarbeit, Senioren im Klassenzimmer, Haustiere und und und. Bei fast allen Ideen wusste jemand aus dem Publikum, wo in der Region das entsprechende Angebot zu finden ist.
Die Stimmung wurde lebhaft – man ging zu Kaffee und Fasnachtsküchlein über. Eine ältere Dame sah sich im Saal um, glücklich erklärte sie in der Runde: «Hier ist es immer schön. Interessante Vorträge und liebe Menschen. Das ist Leben.» Den Mitgliedern der reformierten Kirchgemeinde Gontenschwil-Zetzwil, die sich für GenerationPlus engagieren, war es wieder gelungen, ihre Gäste zu begeis-
Graziella Jämsä tern.