«Gmeind» lehnt erneute Steuererhöhung ab
04.12.2025 GontenschwilDie Gemeindeversammlung in Gontenschwil versprach bereits im Voraus Spannung. Erst vor wenigen Jahren wurde der Steuerfuss bereits um 5% angehoben. Nun sollte bereits die nächste Anpassung folgen. Der Souverän war damit nicht einverstanden.
Dass eine ...
Die Gemeindeversammlung in Gontenschwil versprach bereits im Voraus Spannung. Erst vor wenigen Jahren wurde der Steuerfuss bereits um 5% angehoben. Nun sollte bereits die nächste Anpassung folgen. Der Souverän war damit nicht einverstanden.
Dass eine Steuererhöhung zu Diskussionen führen kann, ist nicht ungewöhnlich. Auch dass eine Gemeinde den Steuerfuss anheben muss, kommt immer wieder vor. Dass dies aber innerhalb von wenigen Jahren gleich zwei Mal geschehen soll, passiert hingegen seltener.
Genau dies sollte jedoch in Gontenschwil passieren. An der Gemeindeversammlung vom Freitagabend beantragte der Gemeinderat eine Anhebung des Steuerfusses um 5 auf 122 %. «Ich jammere nicht, ich zeige auf, wie die Sachlage ist», leitete Gemeindeammann Renate Gautschy das Traktandum ein. Eigentlich wäre der nächste Steuerantrag auf 2027 vorgesehen gewesen, erklärt sie. Doch die Situation habe sich verschärft, weswegen man jetzt schon eine Steuererhöhung benötige.
Mit der Steuererhöhung hoffe man, 200’000 Franken mehr einzunehmen. Ohne diese drohe im Budget 2026 ein Defizit von 350’000 Franken, erklärte Gautschy die Situation. 85 % der Kosten seien gebundene Ausgaben, auf die die Gemeinde keinen Einfluss habe. In diversen Bereichen steigen die Kosten an, darunter die Musikschule, die Regionalpolizei und die Beiträge an den Kanton für die Pflegefinanzierung und die Sonderschulen.
Der Kanton Aargau plane eine Senkung des Kantonssteuerfusses um 5 bis 8 %. «Wir hoffen, dass der Kanton diesen Schritt macht. Dann hätten Sie keine Mehrkosten, aber auch keine Erleichterung», erklärte Gautschy weiter.
«Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe»
In der anschliessenden Diskussion zeigte sich der Unmut in der Bevölkerung. Erst 2024 wurden die Steuern angehoben und nun schon wieder, dies lasse ihn aufhorchen, erklärte Stefan Züsli. «In den letzten acht Jahren haben wir sieben Mal besser abgeschlossen als budgetiert, nur einmal schlossen wir schlechter ab», betonte er. Er halte es nicht für notwendig, jetzt schon eine Steuererhöhung zu machen, appellierte er an die Anwesenden. «Zudem ist der Vergleich mit der Kantonssteuer nicht relevant. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.»
Eine Neuzuzügerin fragte den Gemeinderat zudem, was die Gebäudestrategie der Gemeinde sei. «Wo stehen wir in Zukunft? Wenn es so weitergeht, ist der Steuerfuss 2030 bei 132 %», meinte sie und plädierte für eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Auch sie erntete mit ihrer Aussage Applaus, während ein weiterer Bürger für die Annahme der Steuererhöhung plädierte.
Am Ende drohte gar die Rückweisung des Budgets. Mit dem Abänderungsantrag von Stefan Züsli konnte dies verhindert werden. Er forderte, dass das Budget 2026 mit einem unveränderten Steuerfuss von 117 % und einem mutmasslichen Aufwandüberschuss von 350’000 Franken angenommen werden soll. Die Anträge wurden beide den 120 anwesenden Stimmberechtigen vorgelegt. Der Abänderungsantrag erhielt mit 66 Ja-Stimmen mehr als der Antrag des Gemeinderates (dieser erhielt 37 Ja-Stimmen).
In einer Schlussabstimmung wurde das Budget 2026 mit einem unveränderten Steuerfuss von 117 % und einem mutmasslichen Aufwandüberschuss von 350’000 Franken mit 57 Jazu 28 Nein-Stimmen angenommen.
Das neue Friedhofsreglement
Ebenfalls hat der Gemeinderat ein neues Bestattungs- und Friedhofsreglement ausgearbeitet. Das alte Reglement stamme aus dem Jahr 2004, erklärte Gemeinderat Dominik Erlanger. Deswegen sei eine Totalrevision nötig geworden. Im neuen Reglement wurden alle Gesetzesänderungen, Kosten und Gebühren angepasst, womit es sich wieder auf einem aktuellen Stand befinde.
Ein Mann wollte wissen, ob er als Muslim ebenfalls in Gontenschwil begraben werden könne. Grundsätzlich können alle Menschen aus Gontenschwil auf dem Friedhof begraben werden, erklärte Erlanger. Doch: «Ein Begräbnis mit muslimischen Riten ist aktuell nicht möglich.» Im Aargau gibt es aktuell drei Gemeinden, die ein muslimisches Grabfeld haben. Drei weitere Gemeinden befinden sich derzeit in der Abklärung, schreibt der Verband Aargauer Muslime auf seiner Website. Dominik Erlanger erklärte, dass man dieses Anliegen zur Kenntnis nehme.
35 Jahre Einsatz für Gontenschwil
Die restlichen Traktanden wurden von der Mehrheit der Anwesenden angenommen. Am Ende der Gemeindeversammlung fand unter Verschiedenes und Umfrage noch die Verabschiedung von diversen Personen statt, die sich für Gontenschwil in verschiedenen Bereichen eingesetzt haben. Darunter auch Gemeinderat Dominik Erlanger, der im September die Wiederwahl verpasste. «Ich möchte mich bedanken, es war eine Erfahrung», sagte Erlanger an die Anwesenden gerichtet.
Etwas länger als Gemeinderat tätig war Bruno Ellenberger, der nach 28 Jahren als Gemeinderat, wovon er 16 Jahre als Vizeammann arbeitete, seinen Rücktritt gab.
Insgesamt war Ellenberger 35 Jahre in kommunalen Ämtern tätig. «Ihr habt es höchst verdient, jetzt etwas bequemer zu sitzen», sagte Renate Gautschy an Bruno Ellenberger und seine Frau Maria gerichtet. «Du hast dich eingesetzt, auch ausgesetz+t, und das immer freiwillig», betonte sie den Einsatz von Ellenberger. Ihm sei es immer um das Wohl der Allgemeinheit gegangen. «Du wirst uns im Gremium fehlen, sehr sogar», erklärte sie, während Bruno und Maria Ellenberger voller Emotionen auf die Anwesenden blickten.
Eine Krawatte, die alles sagt
Für seinen langen Einsatz für Gontenschwil erhielt er eine Standing Ovation von den Gontenschwilerinnen und Gontenschwilern. «Ich danke ihnen für die Wertschätzung meiner geleisteten Arbeit», sagte Ellenberger berührt und zeigte seine Krawatte, auf der gross «Danke» steht. Es sei jetzt seine Absicht, mehr Zeit in seine Familie zu investieren. Einen besonderen Dank richtete Ellenberger an den Gemeindeschreiber Reto Mäder: «Du warst ein Grund, warum ich die Freude an meinem Amt behalten konnte.» Ebenfalls bedankte er sich bei Renate Gautschy, mit der er jahrelang zusammengearbeitet hatte und wünscht ihr weiterhin viel Kraft, Freude und Weisheit.
Den grössten Dank richtete er jedoch an seine Frau Maria. «Ohne sie wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen», betonte Bruno Ellenberger mit Blick auf seine Frau. «Deine Liebe und dein Glauben an mich sind von unschätzbarem Wert.» Jetzt freue er sich auf die Zeit, die sie gemeinsam geniessen können.
Am Ende fragte eine Frau aus dem Publikum, ob Renate Gautschy nicht auch ein Jubiläum habe. «Ja schon, aber ich bin ja noch da», antwortete diese lachend und fügte hinzu: «Aber ich gehe dann auch öppe.» Im September wurde sie für die Amtsperiode 2026/2029 wiedergewählt.
Alle Beschlüsse der Gemeindeversammlung unterliegen dem fakultativen Referendum.
Melanie Köchli


