Zeitreise in die Welt des Barocks
11.12.2025 Wynental, GränichenEs gibt wohl fast keinen passenderen Ort, um die Klänge einer Oboe, eines Spinetts und einer Violine zu geniessen, als in der Schüür auf dem Schloss Liebegg. In der gemütlichen Atmosphäre begaben sich vergangenes Wochenende die Zuhörerinnen und Zuhörer ...
Es gibt wohl fast keinen passenderen Ort, um die Klänge einer Oboe, eines Spinetts und einer Violine zu geniessen, als in der Schüür auf dem Schloss Liebegg. In der gemütlichen Atmosphäre begaben sich vergangenes Wochenende die Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine Zeitreise der Barockmusik.
Regula Grehn verwöhnte die Ohren des Publikums mit den silbrig-schillernden Tönen des Spinetts, Robert Mössinger betörte die Zuschauerschaft mit den warmen, klaren Klängen der Oboe und Franziska Németi verzauberte mit den brillanten sanften Koloriten der Violine. Das Publikum in kleiner Runde genoss vor Konzertbeginn den Austausch untereinander. Die markanten Holzbalken wurden von den modernen schlichten Kronleuchtern in Szene gesetzt, unter den Füssen der Besucher knirschte der alte Holzboden und draussen brach allmählich die Dunkelheit der Nacht ein. Eine gediegene Stimmung machte sich in der Schloss Schüür breit. Die Musikerinnen und der Musiker richteten sich auf der Bühne für das bevorstehende Konzert ein. «So, jetzt geniessen wir aber die Musik», sagte eine Zuhörerin zu ihrer Sitznachbarin. Das Publikum unterbrach ihre Unterhaltungen und richtete seine Aufmerksamkeit auf die drei Virtuosen.
Der rote Faden
Das erste Stück von Giovanni Boni war eine Sonate in G-Dur Preludio, Largo, Allegro, Alla Siciliana, Allegro. Als Komponist eher unbekannt beschrieb Robert Mössinger in seiner Ansage den Komponisten als weniger komplex als Johann Sebastian Bach, aber dennoch reizvoll. Das Publikum stimmte ihm mit einem Nicken zu. Ein Andante von J.S. Bach war bereits das nächste Stück. Nicht nur die gekonnt gespielten Stücke begeisterten das Publikum. Ebenso fesselte Robert Mössinger in seinen spannenden, teils auch humorvollen Anekdoten über die Komponisten die Zuhörerschaft. «Johann Adolf Hasse war ein Vertreter des galanten Stils. Er war ein Kollege von Georg Friedrich Händel, aber auch gleichzeitig Konkurrent. Denn jeder wollte die beste Sopranistin für sich haben», erzählte Mössinger mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht. So leitete er von bekannten zu unbekannten Künstlern die jeweiligen Stücke ein und machte das Konzert auch für Barock-Kenner zu einem Erlebnis, welches musikalisch und informativ fesselte.
Als «richtige Barock-Perle» bezeichnete der leidenschaftliche Musiker Robert Mössinger das Stück «Jesu meine Freude» von Johann Sebastian Bach. Eine Mischung aus hoffnungsvoller Fröhlichkeit und Ernst des Glaubens, der durch Leiden führt, um am Ende Lebensfreude zu finden. Ein Stück, welches für den passionierten Oboisten nur dank einer speziellen Atemtechnik spielbar war. Lange, ununterbrochene Melodiebögen in Bachs Musik erfordern enorme Ausdauer und eine sehr gute Atemkontrolle.
«Ich halte die Luft in den Wangen und atme dahinter ein und aus», erklärte er dem Publikum eindrucksvoll. Nach einem verzaubernden Konzertabend voller prunk- und gefühlvollen Klängen von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel oder auch Antonio Vivaldi endete die Zeitreise mit den Variationen über «Kommet, ihr Hirten» von Lothar Graap. Schliesslich konnte das begeisterte Publikum mit den Musikerinnen und Musikern bei einem Apéro den musikalischen Abend gemütlich ausklingen lassen. «Das Weihnachtskonzert gehört einfach zum Schloss Liebegg», sagte Gaby Striffler, Vorstandsmitglied des Vereins Schloss Liebegg erfreut. Dieser Aussage würden sicherlich viele der Zuhörerinnen und Zuhörer zustimmen. Denn das Weihnachtskonzert, welches mit viel Hingabe von Karin Steiner, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins Schloss Liebegg, organisiert und von den passionierten Virtuosen präsentiert wird, besticht durch Charme, Wohlbehagen und bezauberndes Ambiente.
Janine Flückiger

