Nicht nur Sport weckte Emotionen
20.11.2025 Seetal, SeengenDurchschnittlich nehmen in Seengen rund 150 Stimmberechtigte an einer Gemeindeversammlung teil. Diesmal waren es mit 309 mehr als das Doppelte. Ein Kunstrasen sowie das Geräteund Garderobengebäude beim Musterplatz gaben zu reden.
«Der Rasen auf den ...
Durchschnittlich nehmen in Seengen rund 150 Stimmberechtigte an einer Gemeindeversammlung teil. Diesmal waren es mit 309 mehr als das Doppelte. Ein Kunstrasen sowie das Geräteund Garderobengebäude beim Musterplatz gaben zu reden.
«Der Rasen auf den Sportplätzen ist in einem schlechten Zustand. Das ist zum einen wetterbedingt, aber zum anderen ist es auch der hohe Nutzungsgrad. Die natürliche Erholungszeit ist zu kurz», führte Gemeinderat Eli Wengenmaier ins Traktandum 3 «Bruttokredit von 8000 Franken für die Projektierung eines Kunstrassenplatzes» ein.
Adrian Kamm, Präsident des Sportclubs Seengen, ergänzte mit der Beschreibung sozialer Aspekte. «Ohne die Investition können wir den laufenden Betrieb nicht mehr sicherstellen. Und das ist unser erklärtes Ziel, auch im Hinblick auf die Jugend.» Als grösster Verein im Dorf setze man sich aktiv fürs Dorfleben ein. «Soziale Interaktion ist das Zusammenspiel von Kindern und Erwachsenen, auf – wie auch neben dem Rasen.» Selbstverständlich plane man bereits Aktionen wie Crowdfounding, um finanziell einen Beitrag leisten zu können. «Wir halten euch gerne auf dem Laufenden.»
SVP und FDP würdigten in ihren Voten die Leistung des Vereins. Sie stellten jedoch einen Rückweisungsantrag für weitere Überprüfungen. «Es stellt sich unter anderem die Frage, wie lange so ein Kunstrasen hält. Ausserdem ist nicht klar, ob zur Bewirtschaftung zusätzliche Maschinen gebraucht werden», merkte Renate Häusermann von der SVP an. Die FDP regte an, die Schlusssumme des Projektes noch einmal zu kontrollieren. Die Finanzkommission vermisste Vergleichzahlen zu den Kosten eines «normalen» Rasens. Der Antrag wurde mit 163 zu 117 Stimmen abgelehnt. Der Kredit wurde mit 181 Ja- zu 91 Nein-Stimmen angenommen.
Geräte- und Garderobengebäude
Auch Traktandum 4, ein Bruttokredit von 130’000 Franken für die Projektierung eines Geräte- und Garderobengebäudes beim Musterplatz» gab zu reden.
Die aktuelle Ausgangslage ist ein Clubhaus mit vier Garderoben, sanitären Anlagen, einem Gastrobetrieb, diversen Technikräumen sowie einem separaten Materialgebäude. «Barrierefreiheit ist nur teilweise gegeben, in mehreren Bereichen der sanitären Anlagen wurde Schimmelbefall festgestellt, im Winter sind die Garderobenräume unzureichend beheizt, der Warmwasserboiler ist unterdimensioniert, so dass nach der Nutzung von zwei bis drei Mannschaften kein Warmwasser mehr zur Verfügung steht», listete Eli Wengenmaier auf.
Im künftigen zweigeschossigen Gebäude sollen neben Garderoben und sanitären Anlagen auch ein Sitzungsraum, ein Sanitätsraum und ein Technikraum mit Erdsonden-Wärmepumpe beziehungsweise PV-Anlage untergebracht werden. «Aufgrund einer Schätzung geht der Gemeinderat von 2,1 Millionen Franken für das gesamte Projekt aus.» Nach aktuellen Erkenntnissen sei die Investition für Seengen tragbar. «Allerdings muss die Investition über die Aufnahme von Fremdkapital finanziert werden, was zu einer Neuverschuldung in den Jahren 2027 bis 2030 führen wird. Von einer Steuerfusserhöhung ist nicht auszugehen.» FDP und SVP stellten bei diesem Traktandum einen Rückweisungsantrag zur Redimensionierung des Projektes, das Raumprogramm sei sehr «üppig». Der Antrag wurde mit 157 zu 130 angenommen.
Ohne Diskussion angenommen wurde der Bruttokredit von 460’000 Franken für das Infrastrukturgebäude «Brestenbergbad» und Genehmigung Baurechtsvertrag. Die Redimensionierung von 100 auf 40 Quadratmeter sowie die Nutzung lokaler Materialien (Holz aus dem Seenger Wald für die Fassade) kamen gut an. Im Bezug auf die Digitalisierung der Lerninfrastruktur in den Schulen wurde einzig angemerkt, dass man die Laufzeit von Produkten und Software sorgfältig im Auge behalten solle. Die Tagesstrukturen Seengen mit Mittagstisch und Schülerhort wechseln ab dem Schuljahr 2026/2027 in den Regelbetrieb. Der Wasserlieferungsvertrag mit der Einwohnergemeinde Villmergen geht in die nächste Vorbereitungsrunde. Gemeinderatsbesoldung und die Kreditabrechnungen (Gastrocontainer, Schliessanlage der Gemeindeliegenschaften und Strassenbeleuchtung) wurden grossmehrheitlich angenommen. Der Steuerfuss bleibt bei 72 Prozent.
Verabschiedungen
Schon zu später Stunde, aber nicht weniger herzlich wurden Gemeindeammann Jörg Bruder und Vizeammann Thomas Lindenmann verabschiedet. Nie laut, stets mit Weitblick habe Thomas Lindenmann als Schaffer insgesamt über zehn Millionen Franken für Bauprojekte im Ressort Tiefbau, Strassen und Verkehr beantragt. Mit ihrem Fazit «Er hat ordentlich viel Geld verlocht», sorgte Susanne Rölli für fröhliches Gelächter. Ammann Jörg Bruder war nach sieben Jahren in der Finanzkommission an die Spitze der Gemeinde gewählt worden. Mit Eli Wengenmaiers Worten: «Er hat einen Raketenstart hingelegt.» In seiner Amtszeit habe sich Seengen nicht nur weiterentwickelt, sondern mehrfach Preise eingeheimst. «Wir wurden zur schönsten und attraktivsten Gemeinde im Aargau gewählt.» Und als Vertreter derselben spendeten die Stimmbürger herzlich Applaus. So mancher wird den anschliessenden Apéro noch für ein persönliches Wort genutzt haben – 22.45 Uhr hin oder her.
Graziella Jämsä


