Kleinere Gemeinden sind undemokratischer
20.11.2025 Region, BirrwilDas humorvolle Logo des Landammann-Jahres von Dieter Egli – ein Egli, also der Flussbarsch – veranlasste die Bezirkspartei der SP, den höchsten Aargauer in den Bezirk Kulm einzuladen.
Die Idee, ein Fischessen zu organisieren, brachte die Organisatorin und ...
Das humorvolle Logo des Landammann-Jahres von Dieter Egli – ein Egli, also der Flussbarsch – veranlasste die Bezirkspartei der SP, den höchsten Aargauer in den Bezirk Kulm einzuladen.
Die Idee, ein Fischessen zu organisieren, brachte die Organisatorin und Grossrätin Lucia Lanz dazu, bei Max und Dora Eichenberger vom «Bären» in Birrwil anzuklopfen. So kam es, dass nach dem Impulsreferat des Landammanns und Regierungsrats Dieter Egli zum neuen Entwicklungsleitbild des Kantons Aargau die legendären gebackenen Felchen vom «Bären-Max» genossen werden konnten. Ein Ausnahmefall, denn das Restaurant Bären hat seinen Gastrobetrieb eingestellt.
Kulm mit 18-Prozent- Wachstum
Dieter Egli erläuterte die Stossrichtung des Entwicklungsleitbilds, das auf die neuen Bedürfnisse der Gesellschaft und der Arbeitswelt reagiert. Mit verschiedenen Massnahmen will die Kantonsregierung die regionale Vereinbarkeit von Arbeit und Wohnen steigern und so dem Bevölkerungswachstum mit angepassten Gemeindestrukturen begegnen.
Das kantonale Bevölkerungswachstum betrug in den letzten zehn Jahren 14 Prozent. Der Bezirk Kulm verzeichnete ein Wachstum von 18 Prozent. Das Angebot an Arbeitsplätzen hingegen ging zurück. Im Vergleich des Arbeitsplatzwachstums steht der Kanton Aargau an letzter Stelle in der Schweiz.
Dies führe zu hoher Mobilität und geringer Wertschöpfung, da die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ungeeignet seien. Deshalb will die Regierung den Wirtschafts- und Forschungsstandort fördern. Das Ziel ist, dass man dort arbeiten kann, wo man wohnt.
Qualitatives Wachstum und Standortförderung
Eine geringe Wertschöpfung führt dazu, dass die Gemeinden zu geringe Steuereinnahmen haben, um ihre Kosten zu decken. Viele Gemeinden sind auf einen Finanzausgleich angewiesen, um ihre Kosten decken zu können. Es ist fraglich, wie lange die Solidarität der anderen Gemeinden dafür aufrechterhalten wird.
Die Regierung möchte mit den regionalen Ansprechpersonen stärker das Gespräch suchen und näher zusammenarbeiten. Beispielsweise beim Erfassen von Brachflächen, bei der Ansiedlung von Unternehmen und bei der Weiterentwicklung von Rahmenbedingungen. Unternehmen fragen jedoch nicht nach dem Steuerfuss der Gemeinden, sondern nach Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeitenden, wie zum Beispiel gute Kinderbetreuungsstrukturen.
Die magische Zahl 5000
Mit 197 Gemeinden hat der Kanton Aargau die höchste Gemeindedichte in der Schweiz. Um Nähe zur Verwaltung und Politik zu leben, ist diese Struktur sehr wichtig. Ein Nachteil sind die gestiegenen Ansprüche, beispielsweise in Bezug auf die Erreichbarkeit am Schalter oder die Verfügbarkeit digitaler Dienstleistungen. Der Finanzausgleich zwischen den Gemeinden ermöglicht es, die geringere Effizienz der kleineren oder kostenintensiven Gemeinden auszugleichen. Wie lange diese Solidarität zwischen den Gemeinden noch funktionieren wird, ist ungewiss.
Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang ist die Raumgestaltung der Gemeinden. Es ist wenig sinnvoll, dass jede der 197 Gemeinden ein eigenes Industriegebiet pflegt. Es ist viel nachhaltiger, wenn dieser Bedarf regional gedacht wird. Das würde zu geringeren Transportströmen und Verkehrswegen sowie zu einer höheren Wohnqualität führen.
Der Steuerwettbewerb unter den Gemeinden ist schwierig aufrechtzuerhalten. Hier stellt sich die Frage, ob die Formen der Zusammenarbeit verändert werden können, um effektiver zu wirken.
In der Diskussion wurde angemerkt, dass je kleiner eine Gemeinde ist, desto undemokratischer ist sie, da sie viel mehr Dienstleistungen extern einkaufen muss. Die heutige Gemeindestruktur stammt aus dem Jahr 1803 und soll Probleme der heutigen Zeit lösen. Ein Spagat, der kaum mehr zu leisten ist.
Egli verwies auf die von der Regierung in Auftrag gegebene Studie der Hochschule ZHAW. Demnach sei eine Gemeindegrösse zwischen 5000 und 20’000 effizient. Eine Mindestgemeindegrösse von 5000 Einwohnern sei die magische Zahl.
Biber und Fisch
Im zweiten Teil tauchten die Gäste in den Lebensraum des Bibers ein. Wer hat nicht schon einmal abgefressene Baumstrunke oder Äste entlang des Hallwilersees gesichtet? Andreas Leuppi führte anschaulich durch die Lebensweise des Bibers. Nun vermag manch einer nach diesen Ausführungen die verschiedenen Bauformen oder Frassplätze zu erkennen. Die ausgegossenen Gipspfoten liessen die Grösse des Bibers erahnen, und die Dichte von 23’000 Haaren pro Quadratzentimeter versetzte die Anwesenden in Staunen.
Lucia Lanz



