K(l)eine Schweinereien
20.11.2025 GontenschwilEinen buchstäblich säulimässig guten Gottesdienst mit Pfarrer Heinz Brauchart und Lukas Gautschi, Landwirt und Berufsbildner Liebegg, durften die Anwesenden vergangene Woche erleben.
Ein gutes Interview lebt immer von spannenden Fragen. Aber die ...
Einen buchstäblich säulimässig guten Gottesdienst mit Pfarrer Heinz Brauchart und Lukas Gautschi, Landwirt und Berufsbildner Liebegg, durften die Anwesenden vergangene Woche erleben.
Ein gutes Interview lebt immer von spannenden Fragen. Aber die intelligenten und spontanen Antworten des Interviewpartners machen das Ganze erst so richtig spannend.
So war es am letzten Freitagabend in der Kirche Gontenschwil. Nach der einstimmenden Musik der beiden jungen Schwyzerörgelispieler Andreas Nyffeler und Michael Hintermann sowie der kurzen Predigt über’s Schwein haben im Leben, Glück und Gnade finden vor Gott und dem traditionellen Gebet, liess sich der sympathische Gontenschwiler Landwirt Lukas Gautschi von Pfarrer Brauchart nach vorne bitten, um Red und Antwort zu seinem Betrieb und seinem Beruf zu stehen. Brauchart erklärte zu Beginn schmunzelnd, weshalb es keine Säuli in der Kirche gebe: wir sind schliesslich nicht an der Olma!
Im Folgenden ging es um das Leben und Arbeiten auf Gautschis Schweinezuchtbetrieb zusammen mit seiner Frau Andrea und dem kleinen Jonas. Pfarrer Brauchart bewarb sich zum Spass für eine Schnupperstelle. Da ging es dann plötzlich um Geburtshilfe, Kastrieren und Zähnefeilen während der «Färliwoche». Es ging ums frühe Aufstehen und gleich mit der Arbeit im Stall beginnen. Aber, da der Lehrling im Haus untergebracht ist, bräuchte es keine lange Vorbereitungszeit. Der Pfarrer möchte lieber Traktor fahren.
Das Leben der hundertdreissig Muttertiere war ebenfalls Teil des Abends. Diese tragen ihre Ferkel während hundertfünfzehn Tagen aus und gebären anschliessend alle mehr oder weniger am gleichen Tag. Nach fünf Tagen werden sie bereits wieder besamt. Gautschi vergleicht seine Muttertiere mit Spitzensportlerinnen. Nach dem sechsten Wurf ist ihre Arbeit getan und sie kommen in den Schlachthof. Die Zuhörer wirken etwas betroffen. Lukas Gautschi: «Ja, die Tiere landen auf unserem Teller. Dessen müssen wir uns bewusst sein.»
Gute Resteverwerter
Als Berufsbildner nimmt Gautschi auf der Liebegg die Prüfungen zukünftiger Berufsbildner ab. Dabei geht es auch um Ackerbau. Zum Beispiel um die Bewertung eines Gerstenfeldes, um’s Erkennen fehlerhafter Bewirtschaftung und um das Ausrechnen des Ertrags. Der eigene Betrieb umfasst fünfundvierzig Hektaren Land. Darauf pflanzt er, unter anderem, Weizen. Wegen des vielen Regens diesen Sommer landete der gesamte Ertrag statt in der Biogasanlage im Schweinetrog und konnte zum Glück den Schweinen verfüttert werden. Diese seien wirklich gute Resteverwerter.
Zum Schluss des Interviews konfrontierte Pfarrer Brauchart den jungen Landwirt mit ein paar «Schweinesprichwörtern». Diese erläuterte er auf spontane und witzige Art. Bei «Kein Schwein ruft mich an», meinte er, dann müsse man halt mal selber anrufen. Bei «die Sau rauslassen» wies er auf den anschliessenden Apero.
Dieser wurde dann zu einem gemütlichen Zusammensein und der Speckzopf ging gut weg (wahrscheinlich ohne schlechtes Gewissen). Das Team rund um Pfarrer Brauchart freute sich über diesen gelungenen Abend rund um die Firobe Chile, welche vierteljährlich in der Kirche Gontenschwil stattfindet.
Elsbeth Häfeli

