Das «Kunstwerk» auf dem Lindenplatz
27.11.2025 Wynental, Gränichen242 von 5276 Stimmberechtigten nahmen an der Gemeindeversammlung vom Montag, 24. November teil. Sie folgten den Anträgen des Gemeinderats. Ganz ohne Zwischenfälle ging die Versammlung nicht über die Bühne.
Gemeindeammann Andreas Fetscher begrüsste ...
242 von 5276 Stimmberechtigten nahmen an der Gemeindeversammlung vom Montag, 24. November teil. Sie folgten den Anträgen des Gemeinderats. Ganz ohne Zwischenfälle ging die Versammlung nicht über die Bühne.
Gemeindeammann Andreas Fetscher begrüsste die Anwesenden und stieg gleich in die Versammlung ein. Unter Traktandum 2 war eine Kreditabrechnung für die Winternutzung (Traglufthalle) des Freibads Suhr-Buchs-Gränichen zu genehmigen. Die Bruttoanlagekosten wichen um nur gerade 345.15 Franken vom im Jahr 2020 bewilligten Verpflichtungskredit über 410\'000 Franken ab − quasi eine Punktlandung. Nicht erstaunlich, wurde die Abrechnung einstimmig verabschiedet.
Zwei mal Auszählen nötig
Mehr Redebedarf bestand im Traktandum 3. Auf dem Areal des alten Werkhofs an der Kirchenfeldstrasse soll idealerweise ein Oberstufencampus entstehen. Für den nötigen Rückbau der Gebäude 12 und 14 liegen nun erste Abklärungen vor: Analysen zeigen mehrere Schadstoffe, darunter Asbest, weshalb spezialisierte Sanierungsfirmen beigezogen werden müssen. Zudem besteht Verdacht auf Bodenverunreinigungen durch eine ehemalige Tankstelle und undichte Abläufe. Erst nach vollständiger Schadstoffentfernung kann der Abbruch erfolgen, begleitet von geologischen und statischen Prüfungen. Der Rückbau wird mit dem Campusprojekt koordiniert und ist für 2027 geplant. Die Kosten belaufen sich auf 642’500 Franken; ein entsprechender Verpflichtungskredit lag als Antrag vor. Zwei Anwohner des besagten Grundstücks stellten den Antrag, dass der Abbruch erst erfolgen soll, wenn das Nachfolgeprojekt bewilligt ist, da sie fürchteten, dass sonst zu lange eine offene Baugrube dastehen würde. Der Antrag wurde in einer ersten Abstimmung knapp verworfen. Da aber offensichtlich einige Verwirrung bei der Auszählung der Stimmen herrschte, liess Gemeindeammann Fetscher noch einmal nachzählen, und siehe da, mit 88 ja zu 110 nein gab es nun ein sehr viel klareres Verdikt. Schliesslich konnte über den Verpflichtungskredit abgestimmt werden
– und dieser wurde mehr als deutlich mit vereinzelten Gegenstimmen angenommen.
Liebeggbach wird offengelegt
Traktandum 4 betraf die Offenlegung des eingedolten Liebeggbachs. Diese wird im Zuge der Arealentwicklung FutureLiebegg vorgezogen und soll 2027 realisiert werden. Der rund 1,1 Kilometer lange neue Bachlauf wertet die Landschaft ökologisch deutlich auf, bietet Hochwasserschutz und stärkt die Vernetzung zwischen Liebeggerwald und Talebene. Geplant sind unter anderem eine Baumallee, neue Amphibienbiotope, ein Weidenlehrpfad sowie ein vielfältig gestalteter Wiesenbach mit flachen Ufern. Ein spezieller Durchlass ermöglicht Kleintieren die sichere Querung von Strasse und Bahnlinie. Der 13 Meter breite Gewässerraum wird vom Kanton erworben; für Landwirtschaftsland erfolgen Realersatz und Pachtmöglichkeiten. Die Gesamtkosten betragen 2,6 Mio. Franken, wovon nach Subventionen 261’500 Franken auf die Gemeinde entfallen würden. Ein entsprechender Verpflichtungskredit wurde beantragt.
Ein Votant meinte, dass die 2,6 Millionen Franken andernorts gescheiter für den Naturschutz eingesetzt werden könnten. Ein anderer plädierte für ein Ja zu diesem Verpflichtungskredit und sah dies als klares Bekenntnis zum Standort der landwirtschaftlichen Schule. Seine Worte wurden mit Applaus bedacht. Ein Antrag aus den Reihen der SVP, noch einmal mit dem Kanton zu verhandeln und den Anteil der Gemeinde nochmals zu halbieren, fand nur vereinzelte Ja-Stimmen und wurde klar verworfen. Der Verpflichtungskredit wurde schliesslich wie vom Gemeinderat vorgesehen klar verabschiedet. Ebenso ein Verpflichtungskredit für die Sanierung der Kanalisation am Suhrzelgweg. Zudem erteilte der Souverän das Baurecht für Erdanker an verschiedenen Standorten und genehmigte den von Gemeindeammann Fetscher wortreich vorgestellten Stellenplan, der zum Ziel hat, dem Gemeinderat mehr kurzfristige Flexibilität in seiner Personalplanung zu geben.
Muhmenthalers letztes Budget
Gränichens scheidender «Finanzminister» André Muhmenthaler präsentierte als quasi letzte Amtshandlung das Budget. In seiner gewohnt ruhigen und sachlichen Art erklärte er die Details zur Finanzlage der Gemeinde. Das Budget wies einen Finanzierungsfehlbetrag in der Höhe von rund 2,268 Mio. Franken bei einem unveränderten Steuerfuss von 111 Prozent aus. Muhmenthaler wies aber auch klar darauf hin, dass die anstehenden Investitionen in den kommenden Jahren wohl nicht ohne eine Erhöhung auf 116 Prozent ab 2029 zu stemmen seien. Er prognostizierte auch eine zu hohe Nettoverschuldung pro Einwohner während mehrerer Jahre.
Trotz dieser eher düsteren Prognosen wurde das Budget genehmigt.
Verabschiedung mit Unterbruch
Unter Umfrage und Verschiedenes sorgte die Frage eines Herrn für Heiterkeit, der wissen wollte, wozu das Eisengestell mit Drähten auf dem Lindenplatz gut sein soll. Andreas Fetscher versprach ihm, sich dieses Werk gelegentlich zusammen mit dem Fragesteller anzusehen. Schliesslich kam es noch zu zwei Verabschiedungen. Für Hanspeter Lüem (nach 20 Jahren) und André Muhmenthaler (nach 8 Jahren) war es die letzte Gemeindeversammlung als Gemeinderäte. Der Gemeindeammann hatte kaum zu Lüems Laudatio angesetzt, als aus dem Publikum ein Hinweis auf einen medizinischen Notfall kam. Dank dem raschen und richtigen Einsatz von anwesenden Ersthelfern konnte die Patientin den Saal aber wenige Minuten später auf eigenen Beinen verlassen. So hob Andreas Fetscher ein zweites Mal zu Lüems Laudatio an. Diese wurde von den Anwesenden am Ende mit langem Applaus bedacht. Das wiederholte sich auch nach Fetschers Dankesworten an André Muhmenthaler, die ebenfalls auf ein funktionierendes und konstruktives Teamwork hinwiesen. So schloss eine bewegende Gemeindeversammlung in wohltuender Harmonie. Und dies sogar wortwörtlich, denn als die Redner verstummten, hob die Musikgesellschaft, die sich hinter dem Vorhang formiert hatte, zu einem Ständchen an, während die IG Sport einen feinen Apéro kredenzte.
Roland Marti

