Ein Denkzettel mit weitreichenden Folgen
02.10.2025 Menziken, BurgAm Wahlsonntag erlebte die Stimmbevölkerung Menziken-Burg eine eindrückliche Dissonanz zwischen Sach- und Personalpolitik, ein wahres politisches Paradoxon: Das Referendum gegen eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 wurde deutlich angenommen. Gleichzeitig jedoch ...
Am Wahlsonntag erlebte die Stimmbevölkerung Menziken-Burg eine eindrückliche Dissonanz zwischen Sach- und Personalpolitik, ein wahres politisches Paradoxon: Das Referendum gegen eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 wurde deutlich angenommen. Gleichzeitig jedoch wurden gleich mehrere amtierende Gemeinderäte abgewählt und somit aus der Exekutive entfernt.
dr. Die Abwahl war überparteilich und richtete sich gegen die gesamte bisherige Führungskultur: Nicht nur zwei SVP-Gemeinderäte verloren ihre Sitze, sondern auch der Vertreter der SP musste gehen. Die Botschaft der Urne ist unmissverständlich: Die Wähler haben die Intrigen und persönlichen Querelen im Rat nicht länger geduldet.
Im Gespräch mit einem der abgewählten Gemeinderäte, Hans Heinrich Leuzinger (Präsident der SVP Menziken), machte dieser deutlich, dass der «Beschuss» seiner Person wohl beinahe zum Wahlkampfthema der anderen Parteien stilisiert worden sei. Er spricht von Allianzen, die im Hintergrund eingegangen wurden und bei manchen Stimmbürgern die Stirne runzeln liess. Das Ergebnis zeigt klar: Der Bürger lässt sich keinesfalls für dumm verkaufen. Leuzinger folgert, dass durch die Unruhe, die durch die zerstörten Wahloder Abstimmungsplakate entstand, eigentliche Wahlkampfthemen verloren gingen. Bei der SVP sei man nur noch am Reagieren gewesen, Agieren sei unmöglich geworden. Als Beispiel führt er den «Wahlplakat-Eklat» auf, der unter der Gürtellinie geführt wurde; am Wahlsonntag selbst hätten unzählige Plakate der SVP auf der Kühlerhaube seines Autos gelegen.
Auf die Wahl und das weitere Vorgehen angesprochen sagte Leuzinger: «er selbst und die SVP rechne damit, dass der Ammann trotz fehlendem Wählervotum in einer stillen Wahl bestätigt wird» Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da.
Das Votum für Teamfähigkeit und Sachlichkeit
Das Mandat ist klar: Der Bürger fordert eine professionelle, teamorientierte Gemeindeführung, die ohne parteipolitische oder persönliche Gräben Sacharbeit leistet. Neue Gesichter sollen nun neue Chancen bieten. Die Wählerschaft hat das gesamte Konfliktpotenzial eliminiert und damit ein überparteiliches Mandat für eine neue Kultur erteilt.
Die neue Zusammensetzung des Gemeinderates – bestehend aus zwei FDP-Vertretern und einer Mehrheit an Parteilosen – untermauert diesen Wunsch nach Sachlichkeit und Pragmatismus, fernab parteipolitischer Gräben. Die SVP Menziken hat unterdessen ihre Mobilisierungskraft und Relevanz in Sachfragen bewiesen, indem sie sich erfolgreich gegen eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 eingesetzt hat – diese wurde überaus deutlich verworfen. Die SVP sieht ihre Zukunft daher klar in der Oppositionspolitik, da die Partei gezeigt hat, dass sie die Wähler bei Themen nahe der Bevölkerung erfolgreich mobilisieren kann.
Die schwierige Lage um den Gemeindeammann
Die Plätze des Gemeindeammanns und des Vizeammanns sind beide noch zu besetzten. Keiner der Kandidaten erreichte am Sonntag die nötigen Stimmen. Dem bisherigen Gemeindeammann Erich Bruderer fehlten lediglich 15 Stimmen zur Wiederwahl. Bei der Wahl des Vizeammanns erziehlte Jörg Stalder das beste Ergebnis, aber ihm fehlten 89 Stimmen für das absolute Mehr. Somit kommt es am 30. November zu einem 2. Wahlgang. Spätestens dann wird Klarheit herrschen.

