Am Samstag, 14. Juni macht sich die Bäuerin Susanna Schaub aus Alliswil auf den Weg, Oberherrin Franziska Romana von Hallwyl eine Kräutersalbe zu bringen. Das mag ein wenig seltsam klingen. Doch wer sich aufmacht die Frau zu begleiten, erlebt Geschichte ...
Am Samstag, 14. Juni macht sich die Bäuerin Susanna Schaub aus Alliswil auf den Weg, Oberherrin Franziska Romana von Hallwyl eine Kräutersalbe zu bringen. Das mag ein wenig seltsam klingen. Doch wer sich aufmacht die Frau zu begleiten, erlebt Geschichte hautnah.
grh. «Natürlich ist Susanna Schaub keine Bäuerin der Gegenwart», erlaubt Daniel Humbel, Präsident der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung, einen Blick hinter die Kulissen. «Sie lebte Ende des 18. Jahrhunderts und war die Ehefrau vom Erbauer des Sandmeierhaus.» Dieses Gebäude an der Dörflistrasse 1 in Boniswil ist nach liebevoller Restaurierung im Mai 2023 als Kulturplatz eröffnet worden.
«Seither haben wir nach einer adäquaten Form gesucht, das Wissen ums bäuerliche Volk mit jenem der Herrschaft auf Schloss Hallwyl zu verbinden. Dafür haben wir uns mit Museum Aargau zusammengetan.» Entstanden ist ein ganz besonderer Spaziergang.
«Am 14. Juni, kurz vor 13.30 Uhr treffen sich die Teilnehmenden im Hof von Schloss Hallwyl», schildert Daniel Humbel. Eine Bekannte von Susanna, eine Magd, führe die Gruppe durch die Räume. «Dabei spricht sie über die Pflichten der Bediensteten und den Alltag im Schloss.»
Anschliessend spaziere man gemeinsam unter der Führung des Vereins Natur und Umwelt, Boniswil, zum ehemaligen Bauernhof der Familie Schaub. «Dabei geht es um Natur, Landschaft, Kräuter und deren Verwendung.» Die Teilnehmenden können als Andenken sogar eine eigene Salbe oder ein Wachstuch herstellen. Bis um 17 Uhr sei die Werkstatt am Kulturplatz geöffnet. «Dann besteht die Möglichkeit, sich vom Shuttlebus ins Gemeindezentrum beziehungsweise zurück zum Schloss fahren zu lassen.»
Daniel Humbel ist voll Vorfreude und gleichzeitig gespannt. «Schloss Hallwyl hat einen Bekanntheitsgrad. Jetzt geht es darum, die Besucher für die einfachen Menschen zu interessieren.» Ihr Engagement hat die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung vor kurzem mit einem Slogan auf den Punkt gebracht: «Geschichte erleben, Traditionen bewahren». Der QR-Code auf der handlichen Visitenkarte leitet Interessierte ganz unkompliziert zur Website weiter. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Flyer immer häufiger als Papierverschwendung betrachtet werden. Also haben wir die Zahl dieser Drucksachen gesenkt und experimentieren mit der Visitenkarte.» Als Effekt wünscht sich Daniel Humbel viele neue Begegnungen. «Denn es wäre schön, wenn sich die Menschen auch in 30, 40 oder 50 Jahren vom Leben im früheren Sandmeierhaus erzählen würden.»
Mehr Infos auf www.hvseetal.ch