Kleine Tradition, grosse Bedeutung
08.05.2025 Menziken, BurgLetztes Wochenende wurde auf der Burg der Maibaum gestellt. Die 60 anwesenden Anwohner der Gemeinde Burg und Menziken waren sich einig: Ein solcher Brauch muss bewahrt werden. Der gleichen Meinung ist auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein Burg, dessen Mitglieder seit 2005 mit ...
Letztes Wochenende wurde auf der Burg der Maibaum gestellt. Die 60 anwesenden Anwohner der Gemeinde Burg und Menziken waren sich einig: Ein solcher Brauch muss bewahrt werden. Der gleichen Meinung ist auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein Burg, dessen Mitglieder seit 2005 mit Freude und Engagement den traditionsreichen Anlass organisieren und durchführen.
jaf. Der Grill war heiss, das Kuchenbuffet stand bereit und der Getränkekühlschrank war gefüllt. Sieben Vereinsmitglieder des VVBs darunter Karin Fässler, Vereinsmitglied und Gemeinderätin Ursula Friedrich und Christian Ammann waren fleissig an den Vorbereitungen für das traditionelle Maibaumstellen. Kurz vor 18 Uhr füllte sich der Gemeindeplatz auf der Burg mit zahlreichen Zuschauern. «Wir kommen wegen der Tradition, damit sie erhalten bleibt», erzählt Gemeindeanwohner Werner Schneider. Nicht nur die Tradition ist für die Gemeinde spürbar wichtig, auch das Aufeinandertreffen von Nachbarn, Bekannten und Freunden wurde merklich genossen und zelebriert.
Um 18 Uhr war es dann so weit.Aufgrund des tödlichen Unfalls eines jungen Gemeindemitgliedes in der Vorwoche wurde die zehn Meter lange, bunt geschmückte Tanne nicht wie üblich mit dem Traktor auf den Platz transportiert, sondern von einigen Männern auf den Platz getragen. Dem tragischen Ereignis, das der ganzen Gemeinde naheging, wurde Raum gegeben. Mit Manneskraft hievten sie die Tanne in die Vertikale an den vorbereiteten Platz. Die Kinder beobachteten mit grossen Augen das Geschehen und waren sichtlich begeistert.
Nachdem die Tanne sicher in der Vorrichtung befestigt wurde, durften die Kinder ihr Wurftalent beim Maiglöckchenschiessen zeigen.
«Bünzlitum»
Der Ur-Burger Max Eichenberger hat selbst schon so einige aufgestellte Maibäume miterlebt und gesehen. Er schilderte: «Früher waren die Tannen 30 Meter hoch. Es war ein Kraftakt für die Männer und die Feuerwehr, diese in die Vertikale zu bringen. Früher wurde die Tanne im Menziker Wald gestohlen. Wir, die Burger, wollten schliesslich nicht unsere Bäume fällen», erzählt Eichenberger mit einem Augenzwinkern. «Wenn wir den Maibaum aufgestellt hatten, musste die Feuerwehr Nachtwache halten, denn die Menziker wollten natürlich ihren Baum zurück», fuhr der engagierte Ur-Burger euphorisch fort. «Es passierte jedoch schon mal, dass die Wache zu lange im Restaurant verweilte und die Menziker den Baum zurückstehlen konnten», fügte er schmunzelnd hinzu. Max Eichenberger macht deutlich, dass ihm das «Bünzlitum» wie er es liebevoll nennt, wichtig sei und eben genau diese Anlässe, so klein sie auch erscheinen mögen, gepflegt werden müssen. Eine Aussage, die sicherlich viele mit ihm teilen, so auch Vereinsmitglied des VVBs Christian Ammann, der seine Motivation kurz und bündig zusammenfasst: «Dorfverbundenheit und beim Maibaumaufstellen gehört natürlich auch das Verschönern zu meiner Motivation.»
Das Maibaumstellen ist eben mehr als eine hübsch dekorierte Tanne aufzustellen. Und viele in der Gemeinde sind dem Verkehrs- und Verschönerungsverein dankbar, dass er mit seinem Engagement eben auch die vermeintlich kleinen Traditionen aufrechterhält. Denn genau diese können für die Gemeinde eine grosse Bedeutung haben. Die Anwesenden genossen die letzten Sonnenstrahlen, bei guten Gesprächen, reichlicher Verköstigung und dem Anblick eines liebevoll dekorierten Maibaums.


