Ein «Schnupperbesuch» der anderen Art
27.03.2025 KöllikenEin «Schnupperbesuch» in Kölliken als Teil des Begegnungsprojektes «Aspekt Aargau – Die Vielfalt des Kantons und seiner elf Bezirke erleben». Für den Bezirk Zofingen wurde die Gemeinde Kölliken ausgewählt, zentral gelegen an der ...
Ein «Schnupperbesuch» in Kölliken als Teil des Begegnungsprojektes «Aspekt Aargau – Die Vielfalt des Kantons und seiner elf Bezirke erleben». Für den Bezirk Zofingen wurde die Gemeinde Kölliken ausgewählt, zentral gelegen an der Verbindungslinie Ost-West. Versteht sich von selbst, dass zum Treffpunkt am Bahnhof eingeladen wurde, einem höchst geschichtsträchtiger Ort.
st. Die Organisatoren von Aspekt Aargau, Graziella Jämsä und Ulrich Suter, scharten ein Grüppchen Interessierter um sich, zusammen mit den auserwählten einheimischen Referenten Ruedi Lüthi, Heike Suter, Giorgio Pfahler und Andrea-Carlo Polesello. Letzterer erklärte auch gleich die Bedeutung des Bahnhofs Kölliken. Die Nationalbahn schloss schon sehr früh, nämlich 1876 – noch vor der Gotthardlinie (1882) – die Lücke Ost-West und sorgte dafür, dass in Kölliken auch bald der Holzhandel florierte. 1967 kam die Autobahn als weitere Anbindung dazu.
Nachdem die Frage nach der Aussprache des Dorfnamens durch Ruedi Lüthi auch noch geklärt war, führte der Kölliker «Baumflüsterer» die Teilnehmenden über Spazierwege an Hecken und Obstgärten vorbei. Er wies dabei hin auf Exoten, die eigentlich in unseren Gärten nichts zu suchen hätten, zum Beispiel die Forsythie, die sehr wohl durch einen «Tierlibaum», Kornelkirsche ersetzt werden könnte. Die Insekten würden dafür danken. Er erklärte die Fähigkeiten der verschiedenen alten Apfelsorten und wies hin auf naturverachtend zurechtgeschnittene Linden, «damit es im Herbst keine Sauerei gibt». Ruedi Lüthi freut sich darüber, dass der Trend zur Rückkehr zu Naturgärten bereits bemerkbar ist.
Ein besonderes Juwel
Andrea-Carlo Polesello führte die Gruppe anschliessend durch «sein Reich», das Strohhaus Dorfmuseum, ein imposantes, gut erhaltenes Hochstudhaus. Diese ausgeklügelte Konstruktion erklärte er an einem Modell. Gebaut wurde dieses Haus 1802, von Johann Suter, dem damals reichsten Bauern in Kölliken. Er besass auch das Salzregal. In der gemütlichen Bauernstube gab er weiteren Einblick in die Geschichte des Dorfes. Aus der ganzen Region kamen die Leute hierher, um Salz zu kaufen, per pedes notabene. Andererseits fanden zahlreiche Kölliker Arbeit bei der Firma Bally in Schönenwerd, wohin sie ebenfalls zu Fuss pilgerten. Das Mittagessen wurde ihnen im Leiterwagen, dem sogenannten «Chacheliwagen» gebracht. Verschiedene Aktivitäten sorgen dafür, dass das Museum nicht in Vergessenheit gerät, so zum Beispiel auch die Jahresausstellung. Dieses Jahr ist Verena Gubser mit ihren Werken hier zu Gast. Anfang April wird die Saison eröffnet.
Leider nicht mehr lange
Anschliessend führte die Bibliothekarin Heike Suter zur Bibliothek in der ebenfalls geschichtsträchtigen Villa Clara. Leider sind die Tage der Bibliothek hier gezählt. Diese wird voraussichtlich im Herbst 2026 in die neue Schulanlage überführt, zusammen mit der Schulbibliothek, was Heike Suter sehr bedauert. «Zwar wird da mehr Platz sein, aber die «heimelige Ambiance» geht verloren. Heike Suter wusste auch die Geschichte über den Schriftzug «bibliothek» vor dem Haus. Der in Kölliken wohnende Aarauer Stadtpolizist namens Ferdinand Haueter hat in Aarau das Schild «Stadtbibliothek» aus dem Müll geklaut, «Stadt» abgeschnitten und «bibliothek» seiner Frau nach Hause gebracht. Lilli Haueter betreute damals nämlich die Dorfibliothek.
Heike Suter präsentierte jedoch auch den Höhepunkt des Nachmittags: Der Autor Ernst Strebel aus Küngoldingen las unter anderem Ausschnitte aus seinem Romanprojekt «Irmas Briefe an die tote Freundin». Und weil er sich gerne mit italienischer Literatur befasst, würdigte er auch das Werk von Virgilio Masciadri, welcher vor rund zehn Jahren allzu jung verstarb. Seine Schwester nahm an der interessanten Aspekt-Führung teil.
Mobilität in erschwerter Lebenslage
Es gibt immer wieder Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Auch sie müssen Arzt-, Spital- und andere Termine wahrnehmen und eine Möglichkeit finden, dahin zu gelangen. Für solche Situationen wurde in Kölliken unter dem Patronat des Gemeinderates ein Fahrdienst mit schlanker Struktur geschaffen, mit Start im Januar 2021. Giorgio Pfahler stellte diesen Dienst vor – sinnigerweise in der Cafeteria des Altersheims, von wo auch die meisten Fahrgäste stammen. Bezahlt werden muss lediglich für das Fahrzeug. Eine Gruppe von sieben Freiwilligen leisten diese Dienste ehrenamtlich. Giorgio Pfahler brachte auch ein paar Anekdoten zum Besten und erwähnte dabei einen Fall, wo er sozusagen als Notretter agierte, weil sein Fahrgast nicht zur vereinbarten Zeit erschien. Bei Kaffee und einem Stück Schokoladekuchen, liebevoll dekoriert mit einem Tupfer Schlagsahne, fanden auch diese «Aspekte» einen würdigen Abschluss.


