Streiflicht
08.02.2024 KolumneBillag
Erinnern Sie sich noch an die unbeliebte «Billag»? Die kostete damals um die 460 Franken pro Jahr, inklusive allem, was man so brauchte: Ein bisschen Tagesschau, Sport am Wochenende, Arena, Benissimo und gelegentlich ein amerikanischer Spielfilm mit Richard Gere. ...
Billag
Erinnern Sie sich noch an die unbeliebte «Billag»? Die kostete damals um die 460 Franken pro Jahr, inklusive allem, was man so brauchte: Ein bisschen Tagesschau, Sport am Wochenende, Arena, Benissimo und gelegentlich ein amerikanischer Spielfilm mit Richard Gere. Nach dem Namenswechsel zu «Serafe» sank die Gebühr zuerst auf 365 Franken, dann auf 335 Franken und mittels Initiative soll der Betrag noch einmal halbiert werden. Mit dem immer weniger werdenden Geld finanziert der Bund via SRG inzwischen nur noch einen Restposten an Nachrichten, Sport, Kultur und Unterhaltung. Schweizer Sport kommt erst nach Mitternacht, Filme fünf Jahre nach dem Kinostart und am Sonntagabend können wir uns nur noch einen Ostschweizer leisten, aber ganz sicher keinen Deville mehr. Leider sind durch die Kürzungen auch die Nachrichten und Serien nicht besser geworden, sondern einfach weniger – inzwischen müssen wir ehrlich zugeben, gibt es allerhöchstens noch drei oder vier wirklich sehenswerte SRF-Sendungen und die Arena gehört da nicht dazu.
Die wirklich tollen Produktionen findet man heute auf Netflix, Disney, Amazon, Dazn und Blue. Die fünf Konzerne haben ein so tolles Programm, dass sie allesamt im Lauf des letzten Jahres ihre Preise zum Teil massiv anheben konnten. Wer auf diese fünf Super-Anbieter setzt, bezahlt pro Jahr zwischen 800 und 1500 Franken, je nachdem, wie gross die Auswahl oder die Bildqualität sein soll. Das Lustige dabei ist: Im Jahr 1990 verbrachten wir durchschnittlich genau so viel Zeit vor der Flimmerkiste wie im Jahr 2020, nämlich knapp zwei Stunden. Der Unterschied zu «früher» ergibt sich im Grunde nur darin, dass wir für die gleiche Verweildauer vor dem Fernseher statt Zwangsgebühren an den Staat heute freiwillig zusätzlich ein Mehrfaches an private Firmen überweisen.
Nennen Sie mich Pünktlischiisser, aber da hat man uns glaube ich übers Ohr gehauen. Für den Empfang der Sender reicht ja auch die Antenne auf dem Dach nicht mehr, man braucht einen Hyperturbo-Glasfaser-Internetanschluss für 500 Stutz im Jahr, sonst rüttelt das Bild. Und der Fernseher braucht eine Mindestauflösung von drei galaktischen Einheiten, sonst rüttelt das Bild. Und für die Stromversorgung all dieser Geräte reichen die Steckdosen nicht aus, es braucht ein kleines Kernkraftwerk im Keller, sonst rüttelt das Bild.
Irgendwie wünsche ich mir die Billag zurück, da hatte man alles, was man so brauchte: Ein bisschen Tagesschau, Sport am Wochenende, Benissimo und gelegentlich ein amerikanischer Spielfilm mit der wunderbaren Julia Roberts.
Remo Conoci
