Streiflicht
05.01.2024 KolumneWind
Heute gehen wir der philosophischen Frage nach, wo eigentlich der Wind genau anfängt und wo er fertig ist und ob sich dort der Luftballon befindet, der davon geflogen ist. Gestellt haben sich diese Fragen nicht etwa Platon oder Kant, die bestenfalls einen ...
Wind
Heute gehen wir der philosophischen Frage nach, wo eigentlich der Wind genau anfängt und wo er fertig ist und ob sich dort der Luftballon befindet, der davon geflogen ist. Gestellt haben sich diese Fragen nicht etwa Platon oder Kant, die bestenfalls einen Vorgänger des Luftballons erlebt haben, sondern Tom, der fünfjährige Sohn der Zetzwiler Gemeinderätin Claudia Schaffner. Es fasziniere sie, wie Kinder in der Lage seien, Dinge in einer so einfachen Art zu hinterfragen, die wir Erwachsenen oft verloren haben, sagte sie dem Autor dieser Kolumne während des Neujahrsapéros in Zetzwil und lieferte somit eine wunderbare Steilvorlage für das «Streiflicht».
Über die Herkunft des Windes sind wir uns abseits meteorologischer Erkenntnisse ja einig: Er entsteht durch heisse Luft, findet seinen Ursprung in vollmundigen Versprechungen und endet meist als laues Lüftchen. Entwickelt sich dennoch ein Sturm daraus, bleibt dieser entweder im Wasserglas oder fegt wie ein Tornado durch den Blätterwald. Mit viel Schaden, aber ohne nützliche Wirkung. Doch wohin geht all die Luft die es offenbar eilig hat? Und was macht der Wind, wenn er einmal angekommen ist? Wenn es frischen Wind gibt, gibt es dann auch alten Wind? Wird Rückenwind zu Bauchwind, wenn man rückwärts läuft? Wie schnell ist man wenn, man in Windeseile unterwegs ist und wie kann man jemandem, rein praktisch, den Wind aus den Segeln nehmen? Vielleicht mit Gegenwind? Muss man im Leben ein Ziel erreichen oder soll man es dem Wind gleichtun und nie richtig ankommen? Was hat der Wind in der Windel verloren? Und ist geschwind verschwinden im Grunde nur ein weisser Schimmel? Quasi eine Wind-Wind-Situation?
All diese Fragen müssen nicht beantwortet werden. Sie haben bereits eine Wirkung, indem sie gestellt werden. Man könnte fast sagen, die Frage sagt oft mehr aus, als die warme Luft, die darauf zurückkommt. Und deshalb darf man es dem fünfjährigen Tom überlassen, ob er sich nun vorstellt, dass der Luftballon am Ende des Windes stehen bleibt, über den Regenbogen ins Einhornland fliegt, oder einfach zerplatzt ist und die Umwelt schädigt. Beruhigend ist es, dass er in der Lage ist, Dinge in einer so einfachen Art zu hinterfragen, er sich Gedanken macht und damit eine Eigenschaft hat, die wir Erwachsenen oft verloren haben.
Remo Conoci
