Streiflicht
09.11.2023 KolumneHaufen
Diese Woche veröffentlichte die Europäische Weltraumorganisation ESA neue hochauflösende Bilder des Weltraums, genauer vom so genannten «Perseushaufen». Dieser ist nicht zu verwechseln mit meinem «Pendenzenhaufen», der sich zu Hause ...
Haufen
Diese Woche veröffentlichte die Europäische Weltraumorganisation ESA neue hochauflösende Bilder des Weltraums, genauer vom so genannten «Perseushaufen». Dieser ist nicht zu verwechseln mit meinem «Pendenzenhaufen», der sich zu Hause und am Arbeitsplatz türmt. Im Perseushaufen, der sich im Sternbild Perseus befindet und von blossem Auge kaum zu erkennen ist, befinden sich laut ESA 1000 Galaxien. Wenn man bedenkt, dass sich in unserer Galaxie, der Milchstrasse, gegen 400 Milliarden Sterne und ein Vielfaches an Planeten befinden, so genau weiss man das ja nicht, kommt man im wahrsten Sinne auf astronomische Zahlen, deren aneinander gereihte Nullen in dieser Kolumne gar keinen Platz hätten. Ich könnte natürlich mal wieder über die Winzigkeit des Planeten Erde schreiben, zu dem wir meiner Meinung nach zu wenig Sorge tragen und mir die Frage stellen, warum ich mich überhaupt mit weit entfernten Galaxien beschäftige, wo wir doch kaum mit dem Zeug auf der Erde zurechtkommen − aber ich möchte lieber noch einmal auf meinen Pendenzenhaufen zurück kommen.
Ich habe da nämlich ein bisschen recherchiert und exklusiv herausgefunden, dass sich darin etwa 1000 unerledigte Angelegenheiten befinden. Ganz unten befinden sich gegen 400 Milliarden Dokumente wie Werbeprospekte für Wählscheibentelefone und unbeantwortete Liebesbriefe von Damen, die inzwischen wahrscheinlich verheiratet sind und Kinder haben, so genau weiss man das ja nicht. Erinnern Sie sich noch an die grünen Einzahlungsscheine? Die mit den Löchern. Kann man mit denen noch einzahlen? Im etwas aktuelleren Teil finde ich zirka zwei Milliarden Bilder auf ebenso vielen Speicherkarten, die ich schon seit geraumer Zeit ganz sicher nächstens einmal wahrscheinlich sortieren werde. Meine Forschung hat ausserdem ergeben, dass sich unter dem Pendenzenhaufen kein Schwarzes Loch befindet, das Unerledigtes verschlingen würde, weshalb mir nach etwa fünf Minuten das Wühlen in pendenten Dingen verleidet ist – und woraufhin mir klar wurde, warum ich lieber den Perseushaufen bewundere, der doch ein Paar Lichtjahre entfernt ist: Diesen Blick in die Vergangenheit kann ich einfach nur geniessen.
Remo Conoci
