«Willst du hier eine Leiche deponieren?»
13.10.2022 HallwilIm Rahmen des NaNoWriMo entdeckte Ina Haller 2007 ihre Liebe zum Schreiben. Warum jener Krimi in der Schublade bleibt und wie viele Morde es für ein Buch braucht, verrät sie im Gespräch.
grh. «Verschwunden im Aargau» heisst Ina Hallers aktueller ...
Im Rahmen des NaNoWriMo entdeckte Ina Haller 2007 ihre Liebe zum Schreiben. Warum jener Krimi in der Schublade bleibt und wie viele Morde es für ein Buch braucht, verrät sie im Gespräch.
grh. «Verschwunden im Aargau» heisst Ina Hallers aktueller Roman, mit dem sie auch ein Jubiläum feiert. «Es ist der zehnte Kriminalfall für Andrina Kaufmann», erklärt die Autorin. Eine beeindruckende Zahl, die noch imposanter wird, wenn man weiss, dass ihre zweite «Ermittlerin» Samantha Kälin auch schon vier Fälle gelöst hat und Marika Wenger in ihrem Erstling «Schwermetall» für Gerechtigkeit sorgte. 15 Krimis verfasst in zehn Jahren – was fasziniert sie an dem Genre? «Es ist das Rätseln, Recherchieren, Beobachten, Fragen stellen – bis man den Täter oder die Täterin gefunden hat.» Für Ina Haller braucht es keine Mordserie zu sein. «Nicht die Zahl der Toten macht eine Geschichte spannend. Die Charaktere und die zwischenmenschlichen Verbindungen sind viel wichtiger.»
Das gilt auch für «Verschwunden im Aargau». Andrina Kaufmann, Ehemann Enrico und Tochter Rebecca besuchen am Berchtoldstag eine Bekannte in Hallwil. Auf dem Heimweg machen sie Bekanntschaft mit dem Trubel des Bärzelitreibens. Aber erst in den Abendnachrichten erfahren sie von der Messerstecherei, die währenddessen stattgefunden hat. Damit nimmt die Geschichte Fahrt auf – Andrinas Mann wird verdächtigt, hat aber einen Halbbruder, der ihm ähnlich sieht, und bei der Polizei arbeitet. Und das sind nicht die einzigen Verstrickungen. «Verschwunden im Aargau», ist definitiv kein Buch, bei dem man auf den ersten 20 Seiten ahnt, wer das Verbrechen begangen hat.
Eine Herausforderung für den Geist
Kann man auch beim Jubiläumsbuch der «Andrina-Reihe» starten? «Selbstverständlich – das ist wie bei jedem anderen Buch. Jede Figur hat eine Vorgeschichte – ob Fortsetzungsreihe oder nicht. Wichtig ist nur, dass die Entwicklung eines Charakters innerhalb des Buches plausibel ist.» 15 Jahre Erfahrung als Autorin helfen dabei.
Warum ist sie eigentlich nach 2007 beim Schreiben geblieben? Ina Haller erinnert sich. «Damals waren meine Kinder klein. Das war eine körperlich und emotional intensive Zeit. Aber ich suchte eine Herausforderung für den Geist.» Sie habe den Mittagsschlaf des Nachwuchses genutzt. «Es hat mir so gut getan, dass ich immer weitergeschrieben habe.» Ihren Erstling lässt sie in der Schublade. Es sei ein wunderbarer Start gewesen, aber kein gelungener Krimi.
Die ganze Familie nimmt teil
Hat sich der Schreibprozess im Laufe der Zeit verändert? «Ja, das hat er.» Ina Haller lacht, bevor sie weiterspricht. «Die ganze Familie nimmt aktiv daran teil. Sie haben Ideen, oder äussern Wünsche für Figuren, über die wir dann sprechen.» Auch Wochenendausflüge seien gut geeignet, wenn es um Inspiration oder Recherche gehe. «Als ich mir einmal einen Platz genauer angesehen habe, fragte meine Tochter: «Willst du hier eine Leiche deponieren?» Ich geniesse dieses kreative Miteinander.» Ausserdem hätte sie viel positives Feedback auf die regionale Verwurzelung der Krimis. «Es bringt den Leserinnen und Lesern die Geschichte noch einmal näher.»
Das nächste Buch von Ina Haller kommt Ende Februar. «Das gehört dann zur Samantha-Reihe.» Was wünscht sie sich für ihre Zukunft als Autorin? «Ich würde mich freuen, wenn das eine oder andere Buch übersetzt werden würde. Sei es ins Französische, Italienische oder Englische - es wäre schön, wenn die Sprachgrenzen fallen.» Auch thematisch kann sie sich irgendwann ein Experiment vorstellen. «Ein historischer Roman würde mich reizen, wenn ich genug Zeit für die Recherche habe.» Bis dahin werden Andrina und Samantha wohl noch den einen oder anderen Fall aufklären. Wie viele, wird sich zeigen. Nur eines ist für Ina Haller klar: «Ich schreibe weiter.»


