Dem 200. Geburtstag des geschichtsträchtigen Gauners Bernhart Matter (geboren 21. Februar 1821) widmete das WB in diesem Jahr eine Reihe von Berichten und Erzählungen. Heute folgt der letzte Teil.
mars. Die Berichte über den bekannten Gauner und ...
Dem 200. Geburtstag des geschichtsträchtigen Gauners Bernhart Matter (geboren 21. Februar 1821) widmete das WB in diesem Jahr eine Reihe von Berichten und Erzählungen. Heute folgt der letzte Teil.
mars. Die Berichte über den bekannten Gauner und Ausbrecherkönig Bernhart Matter stammten grösstenteils aus dem Buch von Nold Halder, der sein «Lebenswerk» umfassend festgehalten hat. Das Buch enthält auf den ersten Seiten ein fotografisches Porträt Matters. Eine Daguerreotypie, die frühe Form einer Fotografie. Gemacht hat sie Friedrich Gysi. Die Fotografen-Dynastie Gysi betrieb damals in Aarau auch eine Werkstätte für feinmechanische und optische Geräte. Damals wandte man das Verfahren des Franzosen Louis Daguerre an. Versilberte Kupferplatten wurden blankpoliert und mit Joddämpfen lichtempfindlich gemacht, wobei Quecksilberdämpfe die Entwicklung des Bildes bewirkten. Das wichtigste Merkmal dabei ist, dass man dieselbe Fotografie, die ein Unikat ist, als Positiv und Negativ betrachten kann – je nach Lichteinfall. Zu dieser Zeit eine bahnbrechende Erfindung, die auch in Aarau zum Einsatz kam. Etwa seit 1843 führte Gysi an der Vorderen Vorstadt ein Fotoatelier, wo er ausschliesslich daguerreotypierte. Drei Generationen befassten sich in der Folge erfolgreich mit der Fotografie, ehe das inzwischen zu einigem Renommee gelangte Atelier vor dem Ersten Weltkrieg aufgegeben wurde. Es ist nun verbrieft, dass sich Bernhart Matter bei Gysi daguerreotypieren liess. Matters Daguerreotypie ist aber inzwischen verschollen. Für sie würde heute teuer bezahlt: Bis zu 4000 Franken werden für die unvergleichlichen, in ihrer Detailtreue unübertroffenen Zeitzeugnisse gezahlt. Sie wurden nicht selten sorgfältig und nach allen Regeln der Kunst handkoloriert. Gysi-Arbeiten zeichnen sich im Vergleich durch weit überdurchschnittliche Qualität aus.
Bereits vor ein paar Jahren suchte die Lehrerin, Museumspädagogin und Museologin Marianne Blattner-Geissberger nach dem Matter-Poträt. Sie ist eine Spezialistin auf dem Gebiet der historischen Fotografie und befasste sich damals im Rahmen ihrer Masterarbeit intensiv mit der Fotografiegeschichte der Kantonshauptstad und dabei vor allem mit den Gysis und dem frühen Beginn ihrer fotografischen Tätigkeit. Ihr Aufruf hatte keinen Erfolg. Mit der Publikation der Serie bekam auch die Redaktion des Wynentaler Blattes Kenntnis von ihrer Suche. Wer als Informationen zum Verbleib des Porträts von Matter hat, darf sich bei Marianne Blattner-Geissberger, Kasinostrasse 15, 5000 Aarau, blattner.marianne@gmail.com melden.