Als Grund für die Verlagerung der Baulandflächen auf die Städte wird der Zuzug von steuerkräftigen Privatpersonen und Firmen genannt. Offensichtlich wird den ländlichen Gebieten das Recht auf zahlungskräftige Steuerzahler oder die Ansiedlung neuer Firmen ...
Als Grund für die Verlagerung der Baulandflächen auf die Städte wird der Zuzug von steuerkräftigen Privatpersonen und Firmen genannt. Offensichtlich wird den ländlichen Gebieten das Recht auf zahlungskräftige Steuerzahler oder die Ansiedlung neuer Firmen aberkannt.
In der überparteilichen Motion verlangen die Grossräte vom Regierungsrat, eine Baulandbörse zu etablieren, um sicherzustellen, dass das verfügbare und aktuell nicht benötigte Bauland im Kanton in diejenige Aargauer Gemeinden verlagert werden kann, wo ein Bedarf nachgewiesen ist.
Das heisst konkret, dass alle privaten Baulandflächen kantonal versteigert werden könnten. In einer ersten Phase würden die Preise für unsere regionalen Bauparzellen steigen, was die privaten Eigentümer freuen dürfte. Nach dem Verkauf allerdings würde nur die Kompensationsfläche (also das Recht zu bauen) nach Baden, Aarau oder Wohlen weitergehen. Unsere regionalen Handwerksbetriebe, die Schreiner, Elektriker oder Gartenbauer würden für die Erstellung der Bauten nicht gebraucht. Unsere Kinder und Kindeskinder müssten für jeden Quadratmeter Bauland in ihrer Heimatgemeinde mit dem Höchstbietenden aus den Städten mithalten können.
Die Motion sieht ausserdem vor, die Regionalplanungsverbände (ZB. aargauSüd impuls), welche durch die Gemeinderäte ihrer Ortschaften vertreten sind und heute regulatorisch über die Baulandvorräte wachen, ihres Mandats zu entheben. Baulandreserven aus einem regionalen Topf einer Firma zuzusprechen, um wichtige Arbeitsplätze zu erhalten (Kaltband, Reinach oder Glas Trösch, Oberkulm), wäre nicht mehr möglich. Diese Firmen müssten dem Bauland nach in Stadtnähe ziehen. Damit hätten unsere ländlichen Gemeinden keine Möglichkeit mehr, Arbeitsplätze neu zu schaffen oder zu erhalten. Den Gemeinden auf dem Land wird somit auch das Fundament für eine eigene Entwicklung entzogen.
«Graben» würde zunehmen
Das Angebot Bauland in ländlichem Gebiet zu kaufen, aber in städtischen Agglomerationen zu bauen, wird eine grosse Nachfrage schaffen. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen im Kanton Aargau werden rapide abnehmen. Wenn einzig der Preis über die Verwendung der Baulandreserven entscheidet und die Baulandflächen vom Land in die Städte verlagert werden, dann wird der Graben zwischen den finanziell starken städtischen Regionen und den strukturschwächeren ländlichen Regionen weiter zunehmen. Wir wären noch mehr als jetzt schon vom finanziellen Wohlwollen der städtischen Gebiete abhängig.
Ich bin der Meinung, die Hoheit über unsere eigenen Baulandreserven muss in unseren ländlichen Gemeinden und Regionen bleiben. Daran darf nicht gerüttelt werden. Das Vorhaben, eine kantonale Baulandbörse zu etablieren, ist entschieden zu bekämpfen.
Karin Faes, Schöftland Grossrätin FDP Kulm