Ständige Suche nach der perfekten Essenz
11.03.2021 GunzwilHohe Kunst und ein Hauch von Magie schwingt mit, wenn Urs Hecht seine Fruchtbrände den Gästen präsentiert. Ein äusserst kritisches Publikum kostete davon: Die Jury des 3. Swiss Spirits Award 2020. Nichts Geringeres als die Höchstauszeichnung, den Swiss Spirit ...
Hohe Kunst und ein Hauch von Magie schwingt mit, wenn Urs Hecht seine Fruchtbrände den Gästen präsentiert. Ein äusserst kritisches Publikum kostete davon: Die Jury des 3. Swiss Spirits Award 2020. Nichts Geringeres als die Höchstauszeichnung, den Swiss Spirit Master, entschied der Destillateur aus Gunzwil erstmals für sich. Der Wettbewerb fand im nationalen Zentrum für Weinbau und Önologie Changins bei Nyon (VD) statt.
uke. Wenn Urs Hecht seine Auszeichnungen präsentiert, hat er gleich die ganze Hand voll Dokumente. Er überblickt sie ruhig, vergleicht und breitet sie wie Jasskarten vor sich aus. Vier Asse und sechs Könige, will heissen: viermal Gold und sechsmal Silber – nichts Geringeres kommt beim Gunzwiler Destillateur auf den Tisch.
Höchster Punktedurchschnitt
Meisterlich hat sich Urs Hecht auch beim diesjährigen, dem dritten Swiss Spirits Award wieder an die Spitze gespielt und den Titel für den höchsten Punktedurchschnitt der drei höchstbewerteten Brände, den Swiss Spirits Master, für sich nach Hause geholt. Seine Fruchtbrände Pflaumenbrand im Holzfass, Wald Holunderbrand, Kirsch Teresa Barrique und Vieil Abricot Barrique hat er buchstäblich vergoldet.
Dass sein Berufshandwerk für ihn nicht bloss ein Spiel ist, merkt man sofort. Wissenschaft ist es, unermüdliches Tüfteln und hohe Kunst zugleich. Wer den Verkaufsladen am Grasweg in Gunzwil betritt, wird sogleich von einem dezent edlen Duft umwoben und in den Regalen funkeln stilvoll ausgeleuchtete, kostbare Fruchtbrände durch klares Glas. Im Raum daneben sind nicht etwa ein paar Zertifikate aufgehängt, nein – die Zertifikate füllen die Wand.
Geheimnisvolles schwingt mit
Weiter hinten sieht man grosse Kupferkessel mit allerlei Rohren, Öffnungen und Thermostaten, und wähnt sich gleich mitten im Produktionsraum. Mensch und Produkt gehören bei Urs Hecht nahe zusammen, das erfährt man auch im Gespräch mit dem Meisterbrenner. Wenn er sein Schaffen erklärt, schwingt immer etwas Geheimnisvolles mit. Bedeutungsvoll spricht er wie ein Magier vom tiefen Keller, wo die Fässer aus auserlesenen Hölzern in Dunkelheit lagern, wo über Jahrzehnte reifende Destillate bloss einmal jährlich angerührt und verkostet werden. Er nimmt einen mit auf die Wiese mit Obstbäumen, die ihm die Früchte für seine Werke schenken und von denen er spricht wie von alten Freunden: Dem Aprikosenbaum bei Saxon im Wallis, dem Kirschbaum am Eichberg. Urs Hecht differenziert die Charaktere der Früchte ebenso präzise wie die der Menschen: «Die Himbeere ist verführerisch, die Kirsche fein und empfindlich, der Urapfel bodenständig, die Traube dominant…» Die Früchte zu ihrer natürlichen Harmonie zu führen und unaufhörlich nach ihrer perfekten Essenz zu suchen, ist für Urs Hecht nicht nur Beruf, sondern Passion.
Mensch und Natur in Veränderung
Werden Urs Hecht und seine Frau Theres auf ihre Auszeichnungen angesprochen, stellen sie stets die Natur in den Vordergrund. «Es ist ein Zusammenwirken von Mensch und Natur, die sich beide ständig weiter entwickeln», erzählen sie bei einem «guten Tropfen» am währschaften Holztisch im Brand-Atelier. «Die Früchte schmecken heute nicht mehr wie vor zwanzig Jahren, und auch der Mensch in seiner Geschmacksempfindung ist anders geworden.» Sie sind bestrebt, den Kreislauf der Natur zu erhalten, und lassen jetzt schon Bäume für die nächste Generation pflanzen. Weit vom Stamm fällt diese nicht, denn ihr Sohn Elias ist auch bereits im Brennermetier tätig.
Drei Namen in Stein gemeisselt
Dann verrät Urs Hecht sogar noch ein Geheimnis: «In unserem Naturkeller, elf Meter tief im Boden, steht eine Säule, das Zentrum des Betriebes. Drei Namen sind dort in Sandstein gemeisselt…» Die Geschichte klingt wahrhaft magisch und gewinnt zunehmend an Spannung. «….im Jahr 2007 kamen drei Fruchtessenzen ins Holzfass, die nun seit dreizehn Jahren reifen. Im November 2021 werden wir sie ans Licht holen…»
Kenner ahnen es: In knapp einem Jahr wird der Meister wieder eine ganz spezielle Trilogie von Fruchtbränden hervorzaubern, die wiederum sehr ausgewählte Namen tragen werden. Bis dahin muss man sich noch gedulden, doch darf man vorerst die vielen anderen, ausgezeichneten Tropfen der Gunzwiler Destillate AG sich zum Gaumen führen. Wie heisst es doch: Der Mensch braucht Zeit zum Reifen, Brände brauchen Zeit zum Lagern.
Swiss Spirits Award 2020: Die Jury des Swiss Spirits Award bestand aus Mitgliedern aus allen Regionen der Schweiz sowie internationalen Gästen. Sie vergab 30 Goldmedaillen und 34 Silbermedaillen, eingereicht waren 207 Produkte.

