Burkart deutlich vor Knecht
26.11.2019 Abstimmungen/WahlenÜberraschungen im zweiten Wahlgang der Ständeratswahl sind ausgeblieben: Thierry Burkart (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) haben sich in der Stichwahl deutlich durgesetzt. Die beiden Kandidatinnen der CVP und der Grünen hatten keine Chance. Die Standesvertretung ist ...
Überraschungen im zweiten Wahlgang der Ständeratswahl sind ausgeblieben: Thierry Burkart (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) haben sich in der Stichwahl deutlich durgesetzt. Die beiden Kandidatinnen der CVP und der Grünen hatten keine Chance. Die Standesvertretung ist damit wieder rein bürgerlich und rein männlich.
fk.Am Ende war es eine klare Sache: Mit 99’372 Stimmen erzielte der 44-jährige Thierry Burkart aus Baden das beste Resultat. Der seit vier Jahren im Nationalrat politisierende Badener Rechtsanwalt konnte über die Parteigrenzen hinaus mobilisieren und hätte die Wahl schon fast im ersten Durchgang am 20. Oktober geschafft. Die FDP konnte damit den durch den Rücktritt von Philipp Müller frei gewordenen Sitz in der kleinen Kammer verteidigen.
Das zweite Ständeratsmandat sicherte sich der 59-jährige SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht mit 73’692 Stimmen. Mit dem Müllerei-Unternehmer aus Leibstadt eroberte die SVP ihren 2011 an die SP verlorenen Sitz zurück. Der Aargau schickt nun erstmals seit 2007 wieder zwei Männer in den Ständerat.
Noch vor vier Jahren war Knecht in einer Stichwahl dem FDP-Kandidaten Philipp Müller deutlich unterlegen. Den nun im zweiten Anlauf erzielten Wahlerfolg führt der SVP-Mann vor allem darauf zurück, dass die Bevölkerung einen Unternehmer habe wählen wollen, einen Milizpolitiker, der wisse, wo der Schuh drückt. Darüber hinaus habe aber auch die geografische Verteilung eine Rolle gespielt. Er sei der einzige Kandidat gewesen, der nicht im Bezirk Baden, sondern im Bezirk Zurzach wohnhaft sei.
Der «Panaschierkönig» der Nationalratswahlen, Thierry Burkart, holte in 10 der 11 Bezirke am meisten Stimmen. Einzig in Knechts Heimatbezirk Zurzach musste er dem SVP-Kontrahenten den Vortritt lassen. Im Bezirk Baden landete Knecht gar bloss auf dem vierten Platz. Etwas überraschend musste sich Knecht auch in der SVP-Hochburg Kulm dem FDP-Kandidaten geschlagen geben. Nur in Holziken konnte er sich vor Burkart platzieren. In Schmiedrued erzielten die beiden Kandidaten gleich viele Stimmen (je 164). Im ersten Wahlgang hatte Knecht im Bezirk Kulm noch das beste Resultat erzielt.
Links-grüne Taktik gescheitert
Keine Chance in der Stichwahl hatten die beiden Frauen. CVP-Kandidatin Marianne Binder-Keller aus Baden, die sich als «Alternative für die politische Mitte» präsentierte, konnte zwar gegenüber dem ersten Wahlgang zusätzliche Stimmen gewinnen, musste sich aber mit 61’657 Stimmen mit dem dritten Platz begnügen. Um Knecht gefährden zu können, fehlten der Grossrätin und ehemaligen CVP-Kommunikationschefin über 12’000 Stimmen. Marianne Binder-Keller habe ein «beachtliches Resultat» erzielt, stellte die CVP in einer Mitteilung fest. Nun freue sie sich auf ihr neues Amt als Nationalrätin. Die 61-jährige Präsidentin der Kantonalpartei hatte am 20. Oktober den Sprung in die grosse Kammer geschafft. Letztmals vertreten war die CVP im Ständerat vor 24 Jahren.
Bereits vor dem zweite Wahlgang war klar, dass die SP den vor acht Jahren errungenen Sitz von Pascale Bruderer nicht würde verteidigen können. SP-Nationalrat Cédric Wermuth war im ersten Wahlgang mit deutlichem Abstand zum Duo Burkart/Knecht auf dem dritten Platz gelandet und hatte sich danach zugunsten der Grünen Ruth Müri zurückgezogen.
Die Taktik des links-grünen Lagers ging jedoch nicht auf. Die Grossrätin und Badener Stadträtin erwies sich letztlich als zu wenig zugkräftig. Mit 58’754 Stimmen landete die 49-Jährige auf dem vierten und letzten Platz. Im ersten Wahlgang hatte sie Binder-Keller noch hinter sich lassen können. Müri konnte zwar in städtischen Gemeinde respektable Resultate erzielen, nicht aber in ländlichen Regionen.
An der Stichwahl beteiligten sich gesamtaargauisch lediglich 37,3 Prozent der Stimmberechtigten, im Bezirk Kulm gar nur 34,5 Prozent. Die höchsten Beteiligungen verzeichneten Leutwil mit 48,4 Prozent und Birrwil mit 46,2 Prozent. Am tiefsten war die Beteiligung in Menziken (28,3 Prozent), Reinach (27,7 Prozent) und Burg (27,4 Prozent).

