Mit 98 Jahren – politisch voll dabei
25.06.2019 Reitnau, AttelwilSie liest noch jeden Tag intensiv die Tageszeitung: Frieda Morgenthaler-Pulver feierte ihren 98. Geburtstag gleich an zwei Tagen. Als offizielle Gäste empfing sie die Frau Gemeindeammann Katrin Burgherr aus Reitnau und den Gemeinderat Markus Baumann aus Attelwil. Es wurde eine ...
Sie liest noch jeden Tag intensiv die Tageszeitung: Frieda Morgenthaler-Pulver feierte ihren 98. Geburtstag gleich an zwei Tagen. Als offizielle Gäste empfing sie die Frau Gemeindeammann Katrin Burgherr aus Reitnau und den Gemeinderat Markus Baumann aus Attelwil. Es wurde eine fröhliche Feier mit viel Erinnerungsaustausch.
st. Dass die älteste Attelwilerin Frieda Morgenthaler-Pulver ihre Geburtstage jeweils an zwei Tagen feiern kann, hat einen speziellen Grund. Sie wuchs in Köniz bei Bern auf, ihr Vater, der Balzli-Jäggu, war Zimmermann und betrieb eine Zimmerei. Am 21. Juni 1921, als seine Tochter zur Welt kam, erhielt er gerade eine grosse Fuhre Holz und hatte deshalb keine Zeit, sein Kind auf der Gemeinde anzumelden. So wurde Frieda Morgenthaler-Pulvers Geburtstag offiziell auf den 23. Juni datiert. Eine ihrer Bekannten meinte aber dazu, sie soll nicht traurig sein. Ihr eigener Vater hätte sie erst 14 Tage nach der Geburt angemeldet. Offenbar war das damals gang und gäbe – man konnte dies ja nicht online erledigen!
Bewegte Jugendjahre
Frieda Morgenthaler erlernte den Beruf der Damenschneiderin. «Damit habe ich mir während vieler Jahre den Lebensunterhalt verdient. Wenn ich jeweils Hochzeitskleider nähte, durften die Kinder nicht in die Nähe kommen. Sie mussten vor der Türe warten. Aber ich gab ihnen jeweils einen Abschnitt der wertvollen Stoffe, damit sie diesen fühlen konnten.» Nach der Lehre fand sie eine Anstellung in Schaffhausen. Als diese Stadt jedoch während des Krieges bombardiert wurde, holte sie ihr Vater zurück ins sichere Bernbiet. Dadurch aber arbeitslos geworden, führte sie während einiger Zeit, zusammen mit einer Freundin, die Jugendherberge in Grindelwald.
Der Zufall brachte sie nach Attelwil
Auf einer Bergtour, wo man sich infolge starker Regengüsse in Sicherheit bringen musste, lernte sie unter anderen die Familie Rössler aus Attewil kennen. Diese lud sie und ihre Freundinnen zu sich nach Hause ein – und so blieb sie in der Schmitte «hängen».
Drei Kinder zog sie auf, zwei Töchter und einen Sohn. Inzwischen kamen sieben Gross- und elf Urgrosskinder dazu. Ihr Mann starb im Jahr 1988, erst 67-jährig. Weil aber ihr Sohn mit seiner im selben Haus wohnt, konnte sie in den vier eigenen Wänden bleiben – auch nach einem Schenkelhalsbruch im Jahr 2010 – bis sie im Juli vor zwei Jahren einen Schwächeanfall erlitt.Anlässlich ihrer Rehazeit auf der Barmelweid reifte der Wunsch, nun doch ins regionale Alterszentrum nach Schöftland zu ziehen, wo sie seither ausgezeichnet und liebevoll betreut wird.
Politisch voll auf dem Laufenden
Zwar wollen Gelenke, Knochen und Muskeln nicht mehr so recht, auch mit dem Gehör hat Frieda Morgenthaler Probleme.Aber sie liest noch jeden Tag ihre Tageszeitung und ist damit politisch stets auf dem Laufenden. Der Zusammenschluss von Attelwil und Reitnau hat sie nicht gross gestört. Ihr Haus steht zwar auf Attelwiler Boden, aber ein Teil des Gartens befindet sich bereits in Reitnau.
Zu ihrem 98. Geburtstag überbrachten die Frau Gemeindeammann Katrin Burgherr und Gemeinderat Markus Baumann die besten Grüsse nebst Blumen und einem Gutschein. Zusammen mit Tochter Hanna und ihrem Mann Kurt Hauri-Morgenthaler sowie Sohn Fritz wurde mit einem Gläschen Weisswein auf die Jubilarin angestossen. Dabei wurde Frieda Morgenthaler erst recht gesprächig und erzählt aus ihrem Leben als Frau eines Schmieds, der viele Pferde beschlug – bis der Traktor im oberen Suhrental Einzug hielt.
Ihr Wahlmotto, das sie sich jeden Abend beim Schlafengehen in Erinnerung ruft: «Wenn Du denkst, dass ich kommen soll, dann komme ich, ich bin bereit!»


