Leute permanent hinters Licht geführt
07.05.2019 AttelwilIm ehemaligen Gemeindehaus Attelwil fand die Generalversammlung der IG Lebensqualität Oberes Suhrental mit einem Gastvortrag vom Verein Pro Burg statt. Rolf Trösch aus Reitnau wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt.
aw. Um die Errichtung von ...
Im ehemaligen Gemeindehaus Attelwil fand die Generalversammlung der IG Lebensqualität Oberes Suhrental mit einem Gastvortrag vom Verein Pro Burg statt. Rolf Trösch aus Reitnau wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt.
aw. Um die Errichtung von Windkrafträdern auf Reitnauer und Staffelbacher Boden ist es still geworden. Die Initiativen der Interessensgemeinschaft Lebensqualität Oberes Suhrental trug mit «Gegenwind» dazu bei. Windkraftanlagen sollen dort errichtet werden, wo es richtig windet, nicht aber auf dem Staffelbacher Chalt und der Reitnauer Stockrüti, sagen die IGLOS-Initianten. Der Saal im ehemaligen Attelwiler Gemeindehaus war zum Bersten voll, nur wenige Mitglieder musste der Präsident ad interim, Werner Hochuli, entschuldigen. Der Vorstand braucht Rückendeckung. Hohes Mitgliederinteresse ist für einen kleinen Verein mit grossen Zielen unerlässlich.
Der bereits demissionierte Werner Hochuli forschte intensiv nach einem Nachfolger. Mit Rolf Trösch war die Suche erfolgreich. Bekannt als Windradgegner, suchte dieser nach dem Ausscheiden aus dem Gemeinderat Reitnau neue Herausforderungen. Die Wahlberechtigten sprachen ihm einstimmig das Vertrauen aus. Mit geeigneten Massnahmen soll die Bevölkerung der umliegenden Dörfer gegen die Errichtung von Windkrafträdern weiterhin sensibilisiert werden, versicherte der Neue glaubhaft. Die Verteilung von Flyern und Newslettern gehöre ebenso zu den Aufgaben wie eine aktuell gestaltete www.iglos.ch-Webseite.
Für den Schutz von Landschaften
Die Jahresrechnung fiel mit einer roten Null im zweistelligen Bereich aus. Der Grund war die grosszügige Unterstützung von Freie Landschaft Schweiz mit einem grösseren Betrag, erläuterte Kassier Martin Baumann die präsentierten Zahlen. Freie Landschaft Schweiz kämpft für den Schutz von Landschaften. Die schützenswerten Waldflächen sollen nicht durch Infrastrukturen wie Windkraftanlagen zerstört werden. Der Dachverband, dem 40 Verbände angeschlossen sind, blickt auch über die Landesgrenzen, wo grosse Parks betrieben werden. Negative Begleiterscheinungen, wie Vögel- und Insektenvernichtung durch rotierende Rotorblätter, werden schmerzlich registriert, ebenso die Umweltverschmutzung durch geborstene Rotoren, wie Videoaufnahmen zeigten.
Leute werden hinters Licht geführt
«Der Wind in der Schweiz habe abgenommen», frohlockte Gastreferent Pro-Burg-Präsident Werner Habermacher. Die Windkarte aus 2016 sei von den Internetseiten verschwunden, die aktuelle weise weitaus schwächere Windverhältnisse aus. Ein Vergleich ist nicht mehr möglich, was sicher gute Gründe hatte – die Windstärken waren offensichtlich zu positiv dargestellt. Windkraftanlagengegner analysieren und vergleichen intensiv. Ihre Auswertungen sind fundiert und zeigen wenig Angriffsfläche, während die Anlagenbetreiber dazu neigen, Fakten zu verschleiern und Transparenz vermissen lassen, war den Worten der Gastreferenten zu entnehmen. Auch der publizierte Stromverbrauch von Haushalten wird angezweifelt. Mit 4500 kWh pro Jahr soll ein 2,3 Personenhaushalt auskommen, 6000 kWh oder mehr entspräche eher der Realität. Die Politik mache viel Wind, nur lässt sich damit kein Strom erzeugen. «Die Leute werden permanent hinters Licht geführt», so Habermacher. Die grüne Lunge zwischen Zürich und Basel ist in Gefahr, Ziel von Pro Burg ist die Verhinderung von Windkraftanlagen auf «Burg».
Motivierende Steilvorlage
Drei Analysen führte der Verein bisher durch, Grundwasser, Lärmimmissionen und Wirtschaftlichkeit betreffend. Auch Fauna und Vogelschutz wurden beleuchtet. Am meisten hakt es an der Profitabilität. Die effektiven Winderträge hinken oft hinter den prognostizierten hinterher. Am schlechtesten schneiden die Anlagen auf dem Nufenenpass ab, statt 14 GW werden lediglich 7,8 GW jährlich erzeugt. Offen, ehrlich und transparent informieren, lautet deren Devise. Die Zeit arbeitet für die Gegner der Windkraftanlagen. Jeder Einspruch verzögert die Projekte um Jahre, das drückt aufs Budget der Betreibergesellschaften. Die Wahl zwischen unbehelligter Landschaft und Energie von Windkraftanlagen wird die Gerichte beschäftigen. Zu diesem Zweck sammeln Vereine wie Pro Burg und Freie Landschaft Schweiz Stimmen und Gelder. Pro Burg erhebt keine Beiträge, operiert wird nur mit Spenden von Mitgliedern und Sympathisanten. Der Widerstand schläft also nicht, stellt aber die ehrgeizigen Energieziele des Bundes in Frage. Das Beispiel Pro Burg dient als motivierende Steilvorlage für IGLOS. Was andere Windkraftanlagengegner unternehmen ist enorm wichtig.

