Beide Gemeinderatsanträge abgewiesen
27.11.2018 AttelwilDie letzte Gmeind in Attelwil vor der Fusion mit der Nachbargemeinde Reitnau: Die einzigen zwei zur Abstimmung gestellten Anträge lehnte der Souverän ab. Mit aufmunternden Worten sprach Landstatthalter Urs Hofmann den Attelwilern Mut zu, die Kraft aufzubringen, sich in der neuen ...
Die letzte Gmeind in Attelwil vor der Fusion mit der Nachbargemeinde Reitnau: Die einzigen zwei zur Abstimmung gestellten Anträge lehnte der Souverän ab. Mit aufmunternden Worten sprach Landstatthalter Urs Hofmann den Attelwilern Mut zu, die Kraft aufzubringen, sich in der neuen Gemeindeform zu engagieren.
aw. Mit 81 von 231 anwesenden Stimmberechtigten war die Gemeindeversammlung wie gewohnt gut besucht. Speziell willkommen geheissen wurde Katrin Burgherr-Burgherr, designierter Gemeindeammann der fusionierten Gemeinde Reitnau. Die Teilnahme an der Versammlung bot ihr die Gelegenheit, den Attelwiler Geist einzuatmen, wie Gemeindeammann Roger Lehner sich ausdrückte.
Einstimmig abgeschmettert
Die einzigen beiden Anträge des Gemeinderats, Abparzellierung und Veräusserung der Liegenschaft Walter Morgenthaler sowie Verkauf der Parzelle Nr. 351 oder eines Teils davon zu prüfen und auszuschreiben, wurden einstimmig abgeschmettert. Auf der genannten Parzelle befinden sich neben dem Gebäude «Walter Morgenthaler» auch das Schulhaus, das weiterhin nicht zum Verkauf ansteht. Dem Gemeinderat hat der Souverän das Mandat verweigert, über die von Schmidstube-Restaurantbesitzer Willi Lehmann und dem Reitnauer Andreas Sieber, Sieber Holzbau AG präsentierten zwei Kaufoptionen nachzudenken. Ob es sich um eine kollektive Jetzterst-recht-nicht-Entscheidung handelte? Die «Kronjuwelen» oder Filetstücke, wie ein Attelwiler sie bezeichnete, bleiben jedenfalls erhalten und werden in die Ehe mit Reitnau eingebracht.
Den eigenen Charakter bewahren
Wer eine Grabesrede vom Landstatthalter erwartete, wurde enttäuscht. Im Gegenteil, Urs Hofmann machte den Attelwilern mit aufmunternden Worten Mut, als Reitnauer Ortsteil seinen eigenen Charakter zu bewahren und sich in die neue Gemeinde einzubringen. Er sei sich sicher, dass das gelingen werde, in der Historie gäbe es genügend Beispiele dafür. Heutige Gemeindegrenzen seien nicht immer so verlaufen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Aargauer und St. Galler Grenzen in Paris von Napoleons Beratern festgelegt. Oft habe auch der Zufall mitgespielt.Aller Anfang sei dennoch schwierig, Attelwil würde aber über den 31. Dezember hinaus noch bestehen, allerdings in einer neuen Form, und als fusionierte Gemeinde beispielhaft für andere stehen. Urs Hofmann bewies erneut, dass er Herz und Ohr für kleine Gemeinden aufbringe. Gelebte Gemeindedemokratie sei wichtig für den Kanton und das ganze Land, Eigenverantwortung und Gemeindeautonomie werden dabei grossgeschrieben. Er betonte aber auch, dass es in den letzten Jahren schwieriger geworden sei, Ersatz für zurücktretende Gemeinderäte zu finden. Der Arbeitsaufwand sei gestiegen und mit der Berufstätigkeit oft nicht mehr vereinbar. Engagement mit Herzblut wird von ihnen verlangt und Weitsicht von Bürgerinnen und Bürgern, um zu entscheiden, welches der richtige Weg ist. Gemeindefusionen auf Dekret des Kantons lehne er ab.
Dorfchronik wird weitergeführt
Die Dorfchronik wird weitergeschrieben, Markus Widmer-Dean stand schon in den Startlöchern und Fotograf Ruedi Hunziker schoss die passenden Fotos dazu. Am Mittwoch, 5. Dezember findet in der Mehrzweckhalle Reitnau eine ausserordentliche Gemeindeversammlung für alle stimmberechtigten Einwohner der fusionierten Gemeinden Attelwil und Reitnau statt. Markus Baumann wird als einziger bisheriger Attelwiler im neuen Reitnauer Gemeinderat mitwirken und die Interessen des Ortsteils Attelwil vertreten. Die Ehre, die Laudatio auf den scheidenden Gemeindeammann zu halten, oblag damit ihm. Roger Lehner gehörte seit 2002 dem Gemeinderat an. Von 17 Jahren im Dienst der Gemeinde amtete er neun als Gemeindeammann. Seine ruhige und besonnene Art, das kameradschaftliche Verhalten, seine Führungsqualitäten und letztlich das juristische Fachwissen waren im Gemeinderatskollegium geschätzt. Das stets offene Ohr für die Belange der Bevölkerung brachte ihm viele Sympathien ein. Nicht wenige Attelwiler bedauern, dass er nicht für den neuen Gemeinderat kandidierte.

