Teilen in einer geteilten Welt
25.05.2018 KommentarTeilen in einer geteilten Welt wird zu einer Frage des Überlebens – für beide Teile! 1842 hat Jeremias Gotthelf in «Geld und Geist» vordergründig die Probleme der kleinbäuerlichen Lebenswelt im Emmental beschrieben. Tiefgründig ging es ihm aber ...
Teilen in einer geteilten Welt wird zu einer Frage des Überlebens – für beide Teile! 1842 hat Jeremias Gotthelf in «Geld und Geist» vordergründig die Probleme der kleinbäuerlichen Lebenswelt im Emmental beschrieben. Tiefgründig ging es ihm aber um die grosse Frage: Was macht die Geldgier mit dem Menschen in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche? -
Heute würde Gotthelf wohl den Titel wählen «Geld regiert die Welt». In einer wissenschaftlichen Studie habe ich soeben erfahren, wie ungleich das Weltvermögen verteilt ist. Dies stimmt mich nachdenklich und hat zu dieser Kolumne motiviert. Armut und Masslosigkeit schaffen bei mir scheinbar Unmut! Ich gönne jedem grossen Reichtum und sehr gutes Einkommen. Zum Problem werden überzogene und nicht zu begründende Saläre, die jedes Mass und Verhältnis verlieren. Der frühere Chef eines grossen Autokonzerns verdiente fast 16 Millionen Euro und bezieht heute eine Jahrespension von 1.33 Mio. International ist er damit längst nicht an der Spitze. Wie ich aus dieser Studie weiter erfahre, hat die Hälfte der Bevölkerung nichts vom gossen Reichtum. Ja, wo nur Reichtum im Zentrum steht, wird andern der Weg versperrt. «Euer Luxus ist unsere Armut», ist auf Plakatwänden als Provokation zu lesen. Der Chef eines der fünf grössten Modekonzerne verdient an vier Tagen so viel wie eine Näherin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben.
Da kann ich nur sagen oder fragen: Vier Tage gegen ein ganzes Leben?! Ich empfinde es entwürdigend, wenn Menschen ihre Würde verlieren und zu einem blossen Rädchen im Getriebe werden. Wahrlich ein Armutszeugnis für die Politik, wenn rund 3,7 Milliarden Menschen, nichts vom globalen Wachstum der Vermögen haben. Dieser fliesst zu über 80 Prozent in die Taschen des reichsten Prozents. Durch ausgeklügelte Strategien vermeiden Konzerne Steuern und gelangen zu noch höherem Gewinn. In den letzten zwei Jahren ist die Zahl der Milliardäre so stark gewachsen wie nie zuvor. Jeden zweiten Tag soll ein Milliardär hinzugekommen sein; zu Jahresbeginn waren es 2043. Hinzu kommt in vielen Ländern die Korruption, welche die Armen besonders hart trifft, sie noch ärmer macht. «Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren», sagt Papst Franziskus.
Politiker müssen das, was sie sagen, auch tun und sein
Hätte ich das Sagen, ich würde für mehr Gerechtigkeit und Eigenverantwortung sorgen. Ich würde Kriege durch Toleranz und Einvernehmen zwischen Rassen und Völkern vermeiden. Aus lauter Dummheit und Gier bekriegen sich Rassen und Völker gegenseitig. Bildung – und damit beginnt alles – ist, wenn Menschen es wirklich wollten, für alle da. Auch Wasser, Nahrung und Medizin ist heute vor allem eine Frage der Verteilung und Umverteilung. Bei mehr Gerechtigkeit gäbe es nur eine Welt, ohne Schwellen- oder gar Drittwelt-Länder. Wohnraum für alle Menschen zu bauen, ist in unserer Zeit kein Problem mehr; im Gegenteil, zu viele Wohnungen auf der Welt stehen leer. Und, ich würde dafür sorgen, dass wir unseren Kindern und Enkeln eine Welt hinterlassen, die nicht ausgeraubt ist, auf der sinnvolles und gutes Leben möglich ist. Höchste Zeit umzudenken, wenn wir sehen wie Wälder abgeholzt oder für kommerzielle Zwecke abgefackelt werden, der Plastikmüll stetig wächst oder Gletscher schmelzen, das Klima unberechenbar wird, Menschen auf der Flucht sind.
Masshalten ist gesund
und wer weniger isst, lebt länger. Zu dieser Erkenntnis ist der Schweizer Wissenschaftler Ernst Hafen gelangt. Seit Jahren erforscht der Professor am zoologischen Institut der Universität Zürich anhand der Taufliege, wie Wachstum und Alter zusammenhängen. Für seine Forschung erhielt er namhafte Auszeichnungen. Seine Studie belegt: Wird die Nahrungsaufnahme eingeschränkt, aktiviert der Organismus ein Schutzprogramm, das die Zellen langsamer altern lässt. Wer sich also an die bekannte Volks- und Diät-Regel «FdH» hält, bleibt scheinbar nicht nur schlank, sondern auch länger am Leben. Wäre diese Diät nicht auch ein Lösungsansatz für die grosse Diskrepanz zwischen Armut und Reichtum auf dieser Welt? Wegen Übergewicht der Einen und Untergewicht der Andern kommt unser Globus immer mehr aus dem Gleichgewicht. Wenn doch mehr Menschen daran denken würden, dass wir alle diese Welt so verlassen, wie wir sie betreten haben – nämlich nackt.
Da ich leider nicht das Sagen habe, will ich wenigstens schreibend auf bedrohliche Zustände aufmerksam machen. – Übrigens, der 20. Mai war «Der Tag der Bienen», bei ihnen sind Volk und Lebensweise noch i. O. Träume gehen nur in Erfüllung, wenn wir selbst etwas dafür tun. Wenn jeder wie die Bienen an seinem Platz das Beste tut, wird es in der Welt ein bisschen besser aussehen. Habe also stets Achtung vor anderen und übernimm Verantwortung für dein Tun und Lassen. Unsere Toleranz wird getestet, wenn wir in der Mehrheit sind, unser Mut, wenn wir in der Minderheit sind. Etwas weniger Ökonomie und mehr Ökologie macht kreativ und weniger depressiv.

